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Der CIO Survey 2013 für Deutschland und die Schweiz

Zum 15. Mal hat Harvey Nash ihren weltweiten CIO Survey durchgeführt. Insgesamt haben 2029 Teilnehmer mitgemacht, die in Summe über ein Budget von $ 103 Milliarden verfügen. Die meisten dieser CIOs haben eine globale Verantwortung und berichten in der Regel an den CEO. Die Umfrage beschäftigt sich nicht nur mit technologischer Innovation und deren Einfluss auf geschäftlichen Erfolg, sondern es geht nicht zuletzt auch um Personalfragen. Wie planen CIOs ihre Karriere? Woher bekommen sie die passenden Talente, um die IT-Infrastruktur an die Bedürfnisse von morgen anzupassen? Als besondere Neuerung haben wir dieses Jahr eine spezielle deutsche Ausgabe dieser Umfrage, welche die besonderen Bedingungen in Deutschland und der Schweiz unter die Lupe nimmt.

Schon vor der Veröffentlichung dieser deutschsprachigen Ausgabe berichten wir in unserem Blog über die wesentlichen Ergebnisse. Diese haben wir in folgenden sechs Artikeln zusammengefasst:

Der strategische CIO: bekommen wir den CI&MO?

Der CIO: Vision und Barrieren - Ein Plädoyer für ein neues langfristiges Denken

Hilfe, ich verliere die Kontrolle!

Mobility: Wie fördert der CIO sein bestes Pferd im Stall?

Wird SDN das nächste große Ding für den CIO?

Wie gewinnt der CIO die Talente der Generation Y?

Es ist immer spannend, die harten Fakten der Rohdaten zu interpretieren. Hier kommt logischerweise die persönliche Meinung ins Spiel. Wir haben dabei immer versucht, zwischen den objektiven Daten und ihrer möglichen Interpretation zu unterscheiden. Dies gibt Ihnen den Raum für eigene Ansätze, die Antworten der CIOs zu deuten.

Die Möglichkeiten der IKT wandeln und erweitern sich in atemberaubendem Tempo. Der CIO ist durch seine Rolle an diese Dynamik gekoppelt. Dies macht seine Aufgaben auf der einen Seite sehr interessant, auf der anderen Seite sucht jeder von uns nach gewissen Fixpunkten, anhand derer er diese Entwicklung deuten und im besten Fall auch prognostizieren kann. Welche Schlussfolgerung ziehen wir also aus dem, was wir in diesem Survey gelernt haben? Wenn wir alle Puzzlesteine zusammenlegen, wird vielleicht ein Bild sichtbar, oder ein Teil davon? Ein Fragment, das man sich leicht merken kann und vor allem zu eigenem Nachdenken anregt?

Am Anfang steht der strategische CIO. Der immer schneller werdende technologische Wandel hat für den CIO zwei konstante Muster: die fortschreitende Digitalisierung aller privaten und geschäftlichen Prozesse und die ebenso fortschreitende Fokussierung auf Marketing und Sales. Da die Digitalisierung sehr oft zu starken Vereinfachungen führt, kommt es in den betroffenen Branchen zu disruptiven Neuanfängen.

Die besten CIOs werden diesen Wandel selber aktiv mitgestalten und sie entwickeln sich zu geschäftsorientierten Innovatoren und Entrepreneurs mit einem starken technologischen Hintergrund. Sie werden dafür sorgen, dass im Jahr 2020 fast 2/3 der gesamten IT-Kosten für Marketing und Sales verwendet werden. In diesem Zusammenhang werden neue Produkte vermehrt in einer immer enger werdenden Zusammenarbeit zwischen Kunden und Herstellern entwickelt. Dabei spielen interaktive und investigative Marketing Techniken eine immer größere Rolle. Dafür ist eine leitungsfähige IT zwingend notwendig.

Der CIO benötigt Teamfähigkeit in seiner Schlüsselrolle, um eine technologische Vision mit dem Ziel neue Geschäftsbereiche aufzubauen, inhaltlich zu entwickeln. Dazu brauchen sich CIO, CMO und Sales gegenseitig, und zwar auf Augenhöhe.

Eine Strategie wird immer getrieben von einer Vision. Eine Vision ermöglicht es, langfristig zu denken und Hindernisse zu überwinden. „Die Träume von gestern sind die Realitäten von morgen." Bei einigen regt sich sofortiger Widerspruch. Eigentlich müsste es doch umgekehrt heißen: „Die Realitäten von morgen waren die Träume von gestern." Das Leben wird aber nicht so gelebt. Verstehen können wir die Dinge meist nur, wenn wir nach den Ereignissen nach hinten schauen und die Puzzlesteine zusammensetzen. Wir können aber nur mit einer Vorwärtsgewandtheit leben. Eine 100-prozentige Rückwärtsgewandtheit ist nur für Museumsdirektoren sinnvoll.

Ein vorwärts gewandter CIO könnte seine Vision z.B. folgendermaßen formulieren: „Antizipiere den nächsten Schritt der Digitalisierung durch Entwicklung innovativer Lösungen gemeinsam mit Marketing und Sales." Das ist durch die Analysen gut gesichert. Diese Vision geht weit über die Technologie hinaus. Sie ist verankert in Marketing und Sales, und damit letztlich im Dienst am Kunden. Eine große Vision endet nicht am eigenen kleinen Horizont, und verleiht damit einen größeren Einfluss. Daraus zieht man die Kraft, Wichtiges von Dringlichem zu unterscheiden und entsprechend zu handeln.

Mit einer Vision im Rücken kann man sich auch der Frage nach dem Kontrollverlust stellen. Cloud Computing und die davon abgeleiteten Technologien wie Mobile Apps, Big Data, BYOD, Collaboration, führen zwangsläufig zu einer Verschiebung in der Kontrolle dieser Technologien. Wegen seiner technischen Kompetenz kann aber ein visionärer CIO diesen Wandel gestalten. Sein Handeln ist auf Zusammenstellung von ausbalancierten Lösungen und Minimierung von Sicherheitsrisiken ausgerichtet.

Ebenso hat er die Fähigkeit, das wirtschaftliche Potential neuer Trends wie „Wearable Computing" und „Gamification" zu erkennen und die entsprechenden Schritte in die Wege zu leiten. Hier liegen große Chancen für seine Rolle, da die Realität in den Unternehmen immer noch weit hinter dem technologisch Machbaren zurückbleibt. Auf diese Weise wird der CIO zum „Change Agent" seiner Organisation. Er weiß, dass man sehr schnell Marktanteile verlieren kann, wenn man Neues nicht willkommen heißt. Aber er braucht zusätzlich noch viel emotionale Intelligenz, um die anderen mit ins Boot zu holen.

Die Mobilfunk-Technologie hat sich ganz klar als der wichtigste disruptive Technologiebereich des CIOs herausgestellt. Hier ist schon praktische Erfahrung vorhanden und es gibt noch viel Luft nach oben. Den eigentlichen Nutzen entfaltet der Mobilfunk aber erst in der Kombination mit Cloud Computing, Big Data und verwandten Technologien. Mobile IT-Arbeitskräfte werden dafür sorgen, dass die mobilen Geschäftsanwendungen im Unternehmen beschleunigt ausbreiten.

Diese mobilen Mitarbeiter sind die natürlichen Verbündeten des CIO. Mit ihnen zusammen kann er seine Vision entwickeln und erfolgreich sein. Ortsabhängige Daten haben das Potential, Marketing und Sales dramatisch zu verändern und zu optimieren. Durch das in diesem Bereich prognostizierte Wachstum entstehen für den CIO enorme Möglichkeiten, völlig neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Und der nächste kreative Wachstumsschub ist schon unterwegs: das Internet der Dinge mit Mobile M2M hat bereits die Startlöcher verlassen. Das hat zur Konsequenz, dass die IT weitere Bereiche des geschäftlichen und privaten Lebens durchdringt.

Die sich entfaltende Vision des CIO schafft eine Komplexität die beherrscht sein will. An dieser Stelle kommt Software Defined Networking (SDN) ins Spiel. Auch wenn dieses Thema nicht explizit im Survey aufgetaucht ist, hat es eine enorme Bedeutung für die Zukunft der IT. SDN ermöglicht es, ein ganzes Netzwerk so zu verwalten, dass es in den Augen des Betreibers so aussieht, wie nur ein einziges Netzelement. Die Intelligenz dafür steckt im sogenannten SDN Controller, der dadurch in der Lage ist, ein ganzes Netz in wenigen Minuten mit den Steuerdaten zu provisionieren. Eine Tätigkeit, die ohne SDN mehrere Wochen in Anspruch nehmen würde. Nicht zuletzt erlaubt SDN den Aufbau intelligenterer Service-Delivery-Plattformen. Und das wiederum riecht schon wieder stark nach neuen Geschäftsmodellen. Hier schließt sich der Kreis und die Vision des CIO erweitert sich ganz natürlich.

Am Ende geht es immer um die Frage, wer soll das eigentlich alles umsetzen? Welche Menschen sind das? Pearl S. Buck sagt: „Junge Menschen wissen noch nicht genug, um umsichtig zu sein, und darum versuchen sie das unmögliche - und sie erreichen es, eine Generation nach der anderen." Wer die Jugend gewinnt, der gewinnt die Zukunft.

Die Jungen, das sind heute die Generation Y, auch bekannt als Millenials oder Digital Natives. Job, Gehalt, Aufstieg stellen sie infrage. Sie gelten als ehrgeizig, selbstbewusst, hochmotiviert, bestens ausgebildet und verwöhnt. Generation Einzelkind. Sie arbeiten lieber in virtuellen Teams als in tiefen Hierarchien. Optimistisch, selbstbewusst, mit wenig Vertrauen in die Regierung. Wo Langeweile herrscht, wollen sie nicht lange bleiben. Sie bringen Leichtigkeit ins Arbeitsleben.

Generation Why: sie stellen alles infrage. Sie teilen ihr Wissen, sind eher informell und stellen persönliche Nähe her. Mobil sind sie aufgewachsen, mobil wollen sie arbeiten. Arbeit heißt für sie Weiterentwicklung. Berufseinsteiger der Generation Y wollen Transparenz. Hochglanzbroschüren interessieren sie nicht, wohl aber die Bewertung ihrer Firma in sozialen Netzen. Obwohl ihnen ihre Familie wichtiger ist als ihr Beruf, haben sie eine stark ausgeprägte Bereitschaft, Führungsverantwortung zu übernehmen.

Sie wollen strategisch arbeiten und Details an spezialisierte Dienstleister outsourcen. Für die Generation Y ist es nicht ungewöhnlich, als Freelancer zu arbeiten. Diese Generation ist der heimliche Verbündete des CIO. Doch diesen Schatz gilt es zu heben. Es gibt ihn nicht zum Nulltarif. Denn die besten Talente dienen immer nur den besten Organisationen. Sie wissen um den Wert ihres eigenen Talents und haben das Ziel dieses zu vergrößern, während sie den größtmöglichen Nutzen für ihren Arbeitgeber suchen. Das ist im Grunde zeitlos und daher bei der Generation Y auch nicht anders. Während ihre Väter - die Babyboomer - aber eher hofften, diese Werte in ihrem Job zu finden, ist die Generation Y hier sehr explizit.

Darum setzt der Strategische CIO nicht nur auf Technologie, sondern vor allem auf die Menschen mit denen er seine Vision erreichen kann. Bei dem nicht aufzuhaltenden Kontrollverlust hat er aber in der Generation Y genau die Partner gefunden, mit denen er gerade deswegen erfolgreich sein kann.