Märchen über das Bewerbungsgespräch
Über Bewerbungsgespräche wird mehr nervöse Energie vergeudet als über jeden andern Teil des Karriereprozesses. Obwohl nur wenige Menschen sagen können, dass sie Bewerbungsgespräche geniessen, müssen sie nicht zu dem von vielen behaupteten Albtraum werden.
Es existieren viele Märchen über Bewerbungsgespräche, die Sie davon abhalten können, ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch zu führen. Hier benutzen wir unser Fachwissen, um Sie durch die vier wichtigsten zu leiten.
Erstes Märchen über das Bewerbungsgespräch: Sie müssen Stunden damit verbringen, um viele 'gute Antworten' auswendig zu lernen.
Nein. Richard Bolles nennt in seinem wegweisenden Durchstarten zum Traumjob deren fünf:
Warum sind Sie hier?
Diese Frage bedeutet: "Warum klopfen Sie gerade bei uns und nicht bei einem andern Unternehmen an?"
Was können Sie für uns tun?
Diese Frage bedeutet: "Wenn ich Sie anstelle, sind Sie dann ein Teil meiner bestehenden Probleme oder werden Sie Teil einer Lösung für diese Probleme? Welche Fähigkeiten besitzen Sie und wie viel wissen Sie über Themen oder Bereiche, die uns interessieren?
Was sind Sie für eine Person?
Diese Frage bedeutet: "Besitzen Sie jene Persönlichkeit, die es den Menschen ermöglicht, mit Ihnen zu arbeiten und teilen Sie die Werte unseres Unternehmens?"
Was unterscheidet Sie von den neunzehn andern Bewerbern, die die gleichen Aufgaben wie Sie erledigen können?
Diese Frage bedeutet: "Haben Sie bessere Arbeitsgewohnheiten als die neunzehn anderen; erscheinen Sie früher zur Arbeit, gehen Sie später nach Hause, arbeiten Sie gründlicher, arbeiten Sie schneller, erfüllen Sie höhere Standards, strengen Sie sich mehr an oder … was?"
Können wir Sie uns leisten?
Diese Frage bedeutet: "Wenn wir uns für Sie entscheiden, wie viel würden Sie uns kosten; sind wir im Rahmen unseres Budgets und der Einschränkung, Ihnen nicht den gleichen Lohn wie Ihrem direkten Vorgesetzten im Organigramm bezahlen zu können, willens und in der Lage, diesen Lohn zu bezahlen?
Zweites Märchen über das Bewerbungsgespräch: Bewerbungsgespräche werden in den ersten zwei Minuten gewonnen oder verloren
Leider steckt viel Wahrheit in diesem Märchen. Grundlegende Dinge wie Ihre persönlichen Gewohnheiten und Ihre Kleidung (die Vermittlungsagenturen als "Bart- und Sandalen"-Problem bezeichnen) - ein Kandidat, der auf Papier eine ideale Besetzung für diese Stelle wäre, erscheint in einer hoffnungslos falschen Bekleidung.
Sie können ein schlechtes Bewerbungsgespräch noch aus dem Feuer reissen, aber es ist besser, einen Fehlstart zu vermeiden. Wenn Sie spüren, einen Fehler gemacht oder etwas Falsches gesagt zu haben, können Sie dies direkt ansprechen. Sie können etwas Ähnliches sagen wie "Ich möchte meine Antwort auf die vorhergehende Frage nochmals neu formulieren ...". Dies ist dann besonders wichtig, wenn Ihre Aussage Sie so durcheinander gebracht hat, dass Sie glauben, auf die verbleibenden Fragen keine konzentrierten Antworten mehr geben zu können.
Drittes Märchen über das Bewerbungsgespräch: Sie sind ein Wettbewerb zwischen dem Kandidaten und dem Personalberater, der die Fragen stellt
Während ein Bewerbungsgespräch eine Herausforderung darstellen kann – Sie wünschen, dass der Gesprächspartner Sie glänzen lässt – haben Sie und der Personalberater das gleiche Ziel: sicherzustellen, dass Sie für die Stelle geeignet sind und die Stelle die richtige für Sie ist.
Ein guter Berater (und ein gutes Bewerbungsgespräch) sucht nach Gelegenheiten für Sie, im besten Licht zu erscheinen. Schliesslich wollen Sie ebenfalls das Beste.
Viertes Märchen über das Bewerbungsgespräch: Lügen bringt Ihnen Erfolg
Es ist bekannt, dass gewissenlose Rekrutierungsberater ihren Kandidaten empfohlen haben, die Wahrheit etwas zu "dehnen". Das ist nicht nur grob unethisch, sondern funktioniert auch nur selten, wenn überhaupt. Sobald Sie zu lügen beginnen, ist es erstens extrem schwierig, wieder damit aufzuhören, und zweitens würde Sie das Unternehmen beim Entdecken dieser Lüge fristlos entlassen. Es gibt einen grossen Unterschied zwischen Lügen und nicht die ganze Wahrheit erzählen. Letzteres ist absolut in Ordnung – solange es nicht Ihre Absicht ist, das Unternehmen zu täuschen - sie stehen schliesslich nicht unter Eid.
Weitere Hinweise zu Bewerbungsgesprächen sind zu finden unter: How to Really Answer Interview Questions in Wall Street Journal's Career Journal (http://www.careerjournal.com)
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