Udo Nadolski
Geschäftsführer der Harvey Nash Deutschland
Der Internet-Gipfel der Kanzlerin: Wir brauchen Steve Jobs an der Spitze von Forschungsinstitutionen
Am Montag traf sich die Internet-Elite im Kanzleramt mit Angela Merkel, um mit der Bundeskanzlerin zu beraten, wie man die digitale und vernetzte Ökonomie in Deutschland zu Glanz und Ruhm bringen könnte. Ergebnisse des Treffens wurden bislang nicht kommuniziert, wie das Gründerszene-Magazin berichtet.
Hintergrund der Besprechung ist die Tatsache, dass außer SAP kaum ein deutsches Unternehmen mit den US-Giganten mithalten kann. In Europa sieht es teilweise noch desaströser aus. Was sollte die Bundesregierung tun: Nach meiner Auffassung muss man die Kraft der Ideen und die Stärken der Forschungslandschaft besser vermarkten. Weitere SAPs zu schaffen, ist sicherlich kein einfaches Unterfangen. Aber was mir zuvorderst hier einfällt, wäre eine sehr pragmatische und unbürokratische Innovationsförderung. Es mangelt in Deutschland un Europa nicht an Ideen. Es fehlt uns die Kraft, diese Ideen umzusetzen. Das bedeutet Innovationsförderung und Kapital sowie eine gezielte Unterstützung von kleinen Organisationen. Die meisten Startups scheitern an simplen Managementfehlern. Viele Gründer sind mit ausreichend Kapital ausgestattet worden, konnten damit aber nicht richtig umgehen. Es geht also nicht nur um eine monetäre Unterstützung, sondern auch um eine fachlich-inhaltliche Beratung. Zudem müssen wir uns als Gesellschaft wieder in eine Aufbruchstimmung versetzen, wenn es um die digitale Zukunft des Landes geht. Es dominiert eine latente Unzufriedenheit. Das sollte sich ändern.
An der Forschungslandschaft liegt es jedenfalls nicht, dass wir als vernetzte Ökonomie noch so weit zurückliegen. Vielleicht sollten die etablierten Organisationen und Unternehmen anfangen, wie Bundesliga-Vereine Scout-Systeme zu entwickeln, um vermarktungsfähige Innovationen zu suchen. Steve Jobs hat das auch nicht anders gemacht. Die Konzepte und Prototypen für die digitale Ökonomie sind schon längst in Deutschland vorhanden. Fraunhofer und MP3 sind ein gigantisch schönes Beispiel für die Schwächen bei der Eroberung neuer Märkte. In einer kürzlich veröffentlichten Studie geht hervor, dass sich Fraunhofer in Fragen der Management-Kompetenz im unteren Drittel eingruppiert. Die bescheinigen sich selbst eine hohe Innovationskraft aber nur eine sehr begrenzte Umsetzungskraft. Und da liegt der Hebel. Man sollte einen Steve Jobs an die Spitze der Fraunhofer-Gesellschaft stellen.
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