Udo Nadolski

Geschäftsführer der Harvey Nash Deutschland

Warum IT-Profis in Bewerbungsgesprächen scheitern

„Der Arbeitsmarkt für IT-Profis entwickelt sich auch in diesem Jahr ungebrochen positiv – sowohl für Freelancer als auch für Festangestellte“, so die Erfahrung unseres Kollegen Mark Hayes. Die Unternehmen der Branche planen ihre nächsten Projekte – und suchen dafür stetig neue Mitarbeiter. Trotzdem passiert es immer wieder, dass gute Fachkräfte im Bewerbungsgespräch scheitern. „Letztlich kann man die klassischen Fehler leicht vermeiden, wenn man sich gut vorbereitet“, sagt Hayes, der täglich Jobinterviews mit Kandidaten führt. Die Regeln im Überblick:

1) Beachte den Dresscode! In anderen Branchen ist dieses Thema längst gegessen, in der IT-Szene gehört dies allerdings immer noch zu den Standard-Problemen: „Viele Technologie-Unternehmen werben zwar damit, keine Anzug-und-Krawatten-Kultur zu haben. Das gilt allerdings nicht fürs Bewerbungsgespräch“, sagt Hayes. Einen entsprechend schlechten Eindruck hinterlassen Programmierer, wenn sie mit Jeans und T-Shirt aufschlagen – im Glauben das entspräche dem Stil des Unternehmens. „Wer sich ordentlich kleidet, zeigt seine Wertschätzung gegenüber der besonderern Situation, die während einer Bewerbungsphase herrscht“, so Hayes.

2) Bereite deinen Lebenslauf vor! Viele Bewerber bereiten leider ihre eigenen Leistungen und Kompetenzen nicht richtig vor. „Das Bewerbungsgespräch ist meistens so intensiv, dass sie in der Aufregung vieles vergessen, was sie hätten anführen können“, sagt Hayes. Beispielsweise spezifische Kenntnisse, die zum Beispiel in Migrationsprojekten gesammelt und ausgebaut worden sind. Kommt das Gespräch dann zu einzelnen beruflichen Stationen, beginnt das große Stottern. „Am besten überlegt man sich genau vorher, welche konkreten Details und Storys man zu seinen einzelnen Stationen erzählen möchte.“

3) Überlege dir gute Fragen! Hier geht es um die andere Seite der Vorbereitung. „Fast jedes Vorstellungsgespräch endet mit der Frage: Haben Sie noch Fragen?“, sagt Hayes. Hier gelte es, sich fundierte, intelligente Fragen vorab zu überlegen – und zwar möglichst Fragen, die nicht auf der Website bereits beantwortet werden. „Wer fragt, der zeigt Eigeninteresse und eine Motivation, sich mit seinem zukünftigen Arbeitgeber auseinanderzusetzen. Außerdem ist es der Schlusspunkt des Bewerbungsgesprächs – und der erste Eindruck zählt genauso wie der letzte Eindruck.“

4) Höre gut zu! Einige Bewerber würden viel über sich erzählen, aber selbst kaum zuhören. In der Regel passiere dies aus der Aufregung heraus, sagt Hayes. Statt zu viel zu reden, sollten Kandidaten die andere Seite ausreden lassen oder den Ball zurückspielen und nachfragen. „Man kann auch einfach Stift und Papier mitnehmen und sich Notizen während des Gesprächs machen. So vergisst man es nicht, wenn man etwas spezifisches sagen möchte.“

5) Diskutiere sachlich! Ein weiterer klassischer Fehler seien Fachdiskussionen, die schnell aus dem Ruder laufen, so Personalvermittler Hayes. „Meistens sitzen in den Gesprächen Projektleiter, mit denen man später zusammenarbeitet. Da kommt es schnell zu einem Fachgespräch, auch um die Kompetenzen des Bewerbers abzuchecken.“ Der Kandidat solle aber nicht zu sehr auftrumpfen, denn bevor er sich versieht, ist er seinem zukünftigen Chef bereits auf den Schlips getreten. „Man sollte nicht den Eindruck vermitteln, es sowieso besser zu wissen. Das kommt einfach nicht gut an“, so Hayes.

6) Achte auf deine Körpersprache! Zum äußerlichen Eindruck zählt nicht nur der Dresscode, sondern auch das Auftreten. „Wer die Hände unterm Tisch hat, partout nicht lächelt und mehr mit dem Boden als mit seinem Gegenüber spricht, der wird es schwer haben“, sagt Hayes. Gerade die eigene Körpersprache könne man gut trainieren – etwa in dem man Bewerbungssituationen mit Freunden und Bekannten simuliert oder per Video aufnimmt.

7) Erzähle nichts Negatives! Der letzte Job war eine Katastrophe? Der Chef ein Choleriker? Ein Thema, das bei einem Feierabendbierchen mit Freunden besprochen werden kann, aber definitiv nicht ins Bewerbungsgespräch gehört. „Auch wenn gefragt wird, warum man den Job gewechselt hat, sollte man es vermeiden, seinen ehemaligen Arbeitgeber übermäßig stark zu kritisieren. Es kommt einfach nicht gut an“, sagt Hayes.