Udo Nadolski

Geschäftsführer der Harvey Nash Deutschland

Nash Technologies zur Energiewende: Konzept für intelligente Netze

Die in Deutschland politisch beschlossene Energiewende führt zu ganz neuen Herausforderungen, die jetzt ohne Zeitverzug bewältigt werden müssen. Wurde der Strom bislang zentral in einer überschaubaren Zahl von Großkraftwerken erzeugt, soll er schon in wenigen Jahren zu einem großen Teil von Zigtausenden von großen Windrädern, Tausenden von Biogasanlagen und Millionen von kleinen Photovoltaik-Anlagen bereitgestellt werden.

Da diese Anlagen den Strom überdies sehr unregelmäßig in das Netz einspeisen, wird die Stabilisierung der Netzfrequenz zu einer Herkulesaufgabe, die vor allem ein sicheres Kommunikationssystem erfordert. Das herkömmliche Internet ist dafür nicht geeignet. Es hat sich zwar als außerordentlich robust und lernfähig erwiesen, doch verfügt es nicht über die geforderte Dienstgüte (im Fachjargon auch Quality of Service genannt), wie garantierte Antwortzeiten oder Bandbreitenreservierung - und das alles in einem sehr großen Netz.

„Gefragt sind Kommunikationsnetze, die von vornherein mit Quality of Service einschließlich Sicherheit konzipiert sind", so der Netzwerkspezialist Bernd Stahl von unserem Tochterunternehmen Nash Technologies. Das erfordert aber keine physische, sondern eine logische Trennung der Netze. „Was wir brauchen, ist ein Multi-Service-Network“, sagt Stahl.

Bislang folgte die Entwicklung des Internet in Form einer Selbstorganisation nach der Methode von Versuch und Irrtum. Ergaben sich Probleme, baute man dem Gebäude einen Balkon nach dem andern an. Dadurch verschlimmerten sich die Probleme längerfristig. Nicht zuletzt entwickelte sich das Internet, das zunächst als große Chance für die Ressourcenschonung erschien, zu einem der größten Stromfresser. „Abhilfe kann hier nur ein neues Systemdesign schaffen", betont Stahl. Allerdings können die Netzwerk-Designer die Herausforderungen der Energiewende keineswegs alleine bewältigen. Die Politik hat eine Bringschuld. „Wir erwarten eine Initiative der EU zur Förderung von Forschung und Entwicklung für den Aufbau intelligenter Stromnetze", fordert Stahl. Durch die Erneuerbaren Energien werde sich die Einspeisung auf Millionen Schultern verteilen und nicht mehr auf wenige Anbieter. Dafür müssten die Netze angepasst und intelligent gesteuert werden. Darum geht es beim Thema Smart Grid. Dazu gehören auch dezentrale Pufferspeicher, etwa für Zeiten, in denen etwa nicht die Sonne scheint oder es zu Ausfällen komme.

Dass Unternehmen wie Nash Technologies, die eigentlich auf dem Markt für Telekommunikation unterwegs sind, auch auf das Energiethema setzen, ist kein Zufall. Denn der Netzwerkspezialist, der unter anderem Telefonnetze testet, hat in seinem hauseigenen Markt die dynamische Entwicklung seit der Deregulierung miterlebt. Ähnliches läuft jetzt auf dem Energiemarkt ab. Auch die Messlatten kann man gut vergleichen: Das Stromnetz und seine dezentrale Steuerung sollen eine Ausfallsicherheit von höchstens einer halben Stunde pro Jahr haben, vergleichbar mit dem, was das jetzige Telefonnetz biete. Zudem bekommen die stromfressenden Endgeräte in Unternehmen und privaten Haushalten nur dann Öko-Intelligenz, wenn sie über das Internet mit den Stromerzeugern und Netzbetreibern gekoppelt werden.

Doch der Weg zum Ziel ist noch lang: „Es werden sich die Modelle durchsetzen, die das Leben einfacher, eleganter und effektiver machen - und hinter denen ein Geschäftsmodell steckt", sagt Stahl. Notwendig ist jetzt ein breiter gesellschaftlicher und politischer Konsens, um die Energiewende in den nächsten Jahren zum Erfolg zu führen.


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