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Wo bitte ist der Ausgang aus dem Technik-Dschungel? – Der neue Trend heißt Einfachheit
Wieso haben die Dinge eigentlich kein Ende mehr? Was wollte ich gerade tun? Was geschieht mit meinem Gehirn, wenn ich ständig im Web hin- und herspringe? Fast jeder kennt die neue Vergesslichkeit und die nahezu pathologische Zunahme von Konzentrationsstörungen. Dahinter steckt sehr viel mehr als nur Überforderung. Wir wissen mehr als je zuvor. Und fürchten doch ständig, das Wichtigste zu verpassen. Der Mensch ist nicht nur ein Fleisch- und Pflanzenfresser, er ist auch ein Informations-Junkie geworden. Und wer zu wenig abbekommt, wird abgehängt. Diesem Phänomen geht FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher in seinem Buch Payback Tagesspiegel.de nach und beschreibt, wie unvorstellbar die Welt ohne Informationstechnik ist, aber auch die Bedrohung durch die Flut technischer Möglichkeiten: „Das Verhältnis meines Gehirns zur Informationsflut ist das der permanenten würdelosen Herabstufung.“ Er lebe „ständig mit dem Gefühl, eine Information zu versäumen oder zu vergessen, und es gibt kein Risiko-Management, das mir hilft. Und das Schlimmste: Ich weiß noch nicht einmal, ob das, was ich weiß, wichtig ist, oder das, was ich vergessen habe, unwichtig.“
Der moderne Mensch liegt an der Kette medialer Möglichkeiten. „Der soziale Druck zwingt uns zum E-Mail-Abruf; der Stärkere ist nicht mehr der Tüchtige, sondern jener, der am schnellsten gut informiert ist. Die Technik kränkt und verletzt uns. Und unsere Intelligenz liegt gar im Sterben, weil wir sie nicht mehr nutzen“, schreibt Roland Mischke für das Abendblatt.de. Ein anderes Phänomen der durch und durch digitalisierten Welt hat das Handelsblatt.de beschrieben. Das Stichwort lautet Overengineering. Das „liegt vor, wenn ein Produkt eine viel höhere oder andere Qualität hat, als der Kunde zu zahlen bereit ist. Das Problem trifft schon seit längerer Zeit vor allem die traditionell ingenieurgetriebenen deutschen Firmen. Deren Entwicklungsabteilungen bringen zwar manch technische Meisterleistung hervor, die aber oft am Markt und an den Kundenbedürfnissen vorbeigeht“, so das Blatt. „Während Entwickler neue technische Raffinessen erfreuen, legen Kunden oft überraschend viel mehr Wert auf Bedienung, Optik und auch auf die Geräusche“, heißt es dort weiter.
Der Konsumentenwunsch nach Vereinfachung von Produkten und Dienstleistungen beschäftigt immer stärker die Strategien von Unternehmen und Wissenschaft, ein Phänomen, das der Zukunftsforscher Matthias Horx als das Herstellen des richtigen Maßes an Komplexität bezeichnet: als Rightsizing. Gefordert sind heute Benutzerfreundlichkeit - Usability - und Einfachheit, verständliche, intuitive Benutzerführung. John Maeda, Grafikdesigner, Medienkünstler und Dozent MIT Media Lab beschreibt in seinem Buch „Simplicity. Die zehn Gesetze der Einfachheit“ Strategien, die das tägliche Leben, aber auch die Entwicklung neuer, einfacher Produkte vorantreiben können. „Auf den Märkten wimmelt es von Einfachheitsversprechen“, schreibt Maeda - für ihn auch eine Folge eines Technik-Overloads: „Die verbreiteten Forderungen nach Einfachheit waren ein unvermeidlicher Trend, nachdem die Technologiebranche es darauf angelegt hatte, immer wieder die gleichen Dinge in ‚neuer und verbesserter’ Form zu verkaufen, wobei ‚besser’ oftmals einfach nur ‚mehr’ bedeutet.“ Als Beispiel für den Erfolg der Einfachheit nennt er den Siegeszug „des iPod von Apple, eines Geräts, das weniger kann und mehr kostet als andere digitale Musikabspielgeräte. Ein weiteres Beispiel ist die scheinbar karge Eingabemaske der Suchmaschine Google, die so beliebt ist, dass ‚googeln’ zum Synonym für eine Suche im World Wide Web wurde“, sagt Maeda.
22.12.10 12:10 | Permalink

