Udo Nadolski
Geschäftsführer der
Harvey Nash Deutschland

Eins ist sicher: Die Rente bleibt im Gespräch – Die Babyboomer müssen länger arbeiten

von Udo Nadolski

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat das Volk gegen sich, weil seine Regierung das Renteneintrittsalter von 60 auf 62 Jahre erhöht. Spanien plant die Erhöhung von 65 auf 67, die Briten sollen künftig mit 66 in den Ruhestand zu gehen. Und während Experten in Deutschland bereits prognostizieren, das in ein bis zwei Jahrzehnten hierzulande über eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre diskutiert wird, bricht im politischen Berlin noch einmal die Diskussion über Sinn und Zweck der Rentenentscheidung der Großen Koalition aus – befördert von Besitzstandswahrern und Realitätsverweigerern aller Couleur.

Erlaubt und dringend geboten ist dabei nicht nur die Frage, worauf sich die Menschen, worauf sich Unternehmer und Arbeitnehmer noch verlassen können, wenn selbst so weit in die Zukunft reichende Entscheidungen beim Hecheln nach Umfragemehrheiten in Frage gestellt werden und die Entscheidungsträger von gestern heute nichts mehr davon wissen wollen. Politik, die verantwortungsvoll agiert und an zukünftige Generationen denkt, darf diese Diskussion nicht zulassen.

„Wie aber wollen wir das Murren über die Rente mit 67 unseren Kindern erklären? Sie werden mit Turbo-Abi und Schnellstudium durchs Bildungssystem gejagt. So rasch wie möglich sollen die Jungen und Mädchen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Schließlich werden sie als Steuer- und Beitragszahler dringend benötigt. Ein Stück unbeschwerter Jugend wird ihnen so genommen – denn die Wirtschaft braucht den Nachwuchs, die Demografie fordert ihren Tribut. Damit leisten die Kinder von heute einen äußerst frühen Beitrag für einen Generationenvertrag, der lange vor ihrer Geburt geschlossen wurde“, schreibt die WELT-Autorin Dorothea Siems. Und weiter: „.Die heutigen Kinder können nichts, aber auch gar nichts dafür, dass sie so wenige sind, und wir – die Senioren von morgen – so zahlreich. Viele Babyboomer haben im Gegensatz zu ihren Eltern auf Nachwuchs verzichtet und damit die grundlegende Schwäche des staatlichen Alterssicherungssystems offenbart: Man erwirbt mit seinen Beitragszahlungen Rentenansprüche für die Zukunft, deren Erfüllung niemand garantieren kann – auch wenn Politiker gerne das Gegenteil suggerieren.“ Für die Autorin und für viele Experten ist es schlichtweg der heute jungen Generation nicht vermittelbar, dass die später zu schulternden Zahlungen in die Sozialkassen beständig steigen. Ihre Schlussfolgerung: „Um das Los der zukünftigen Beitragszahler erträglich zu halten, müssen die Babyboomer länger erwerbstätig bleiben. Eine Gesellschaft, in der eine Mehrheit der Bevölkerung nicht arbeitet und somit auch keine Teilhabe am Arbeitsleben hat, ist weder überlebensfähig und schon gar nicht erstrebenswert.“ Die Rente mit 67 sei schlichtweg ein Gebot der Vernunft, damit die Jüngeren „den Generationenvertrag nicht aus schierer Notwehr heraus kündigen.“ Dann nämlich hat Politik ganz andere Fragen zu lösen.

23.08.10 10:07 | Permalink