Udo Nadolski
Geschäftsführer der
Harvey Nash Deutschland

Trendmarkt Zeitarbeit: Kaum eine Branche ist besser vorbereitet auf die Veränderungen in der Arbeitswelt - Nachfrage nach „High Skill Workern" steigt

von Udo Nadolski

Die Wertungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Für die einen ist Zeitarbeit mit Verweis auf Schlecker und Co. moderne Sklaverei, für die anderen der Schlüssel für mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und in Unternehmen, für dritte das Sprungbrett in die dauerhafte Anstellung: Der Arbeitgeber hat schließlich die Möglichkeit, ohne großes Risiko einen potenziellen neuen Mitarbeiter in Augenschein zu nehmen und zu prüfen, ob man ihn dauerhaft an das eigene Unternehmen binden kann.

Aktuell verzeichnet die Branche nach dem Krisenjahr ganz offensichtlich eine Erholung. So berichtet das Hamburger Abendblatt, dass nach der großen Flaute vom April 2009 bundesweit inzwischen 100.000 Arbeitsplätze über die Zeitarbeit entstanden sind. „Im November 2009 beschäftigte die Branche insgesamt wieder 687.000 Mitarbeiter, nach dem Tiefstand von noch rund 580.000 Beschäftigten im April“, so das Blatt. Schon in den Jahren zuvor war die Beschäftigtenzahl gemäß dem Bericht der Bundesregierung zum Arbeitsnehmerüberlassungsgesetz auf 760.000 im Jahresdurchschnitt 2008 gestiegen.

Glaubt man dem Zukunftsforscher Matthias Horx, wird die Zeitarbeit weiter an Bedeutung gewinnen. Zeitarbeit sei eine hervorragende Chance, sich auf die Anforderungen der Zukunft einzustellen, betonte er auf dem Arbeitgebertag Zeitarbeit im letzten Jahr in Berlin. So zeichne sich schon ab, dass der Beschäftigungssektor die starren Strukturen von Jahrzehnten abwerfen werde. „Künftig werden die Menschen in ihrem Leben drei, vier Berufe ausüben, und die Zeitarbeit gibt ihnen die Gelegenheit, das auszuprobieren", so Horx. Zeitarbeitsunternehmen müssen nach seiner Ansicht zu dem Teil der Dienstleistungsbranche gehören, „die diese Veränderungsprozesse organisiert". Eine große Bedeutung sieht er in der Flexibilität und Qualifizierung der Zeitarbeitnehmer: Der Anteil der wissensintensiven Dienstleistungen steige, darauf müsse sich die Branche einstellen. Horx sprach in diesem Zusammenhang vom Megatrend „New Work" und wies auf eine steigende Nachfrage nach so genannten „High Skill Workern" hin. Ein hoher Preis für solch vielseitige Arbeitnehmer sei durch deren Qualifikation legitimiert. Wer nur noch eine Tätigkeit ausüben könne, sei in Zukunft nicht mehr gefragt.

Und mit der Flexibilisierung des Arbeitslebens schließlich kämen neue Herausforderungen auf die Arbeitnehmer zu. Allerdings: „Sie sind nicht Opfer, sondern selbstbewusste Wandlungsgestalten." Nach wie vor wollten die Beschäftigten an erster Stelle Arbeitsplatzsicherheit, aber auch Flexibilität und Produktivität, so der Gründer des Zukunftsinstitutes. „Diese Begriffe werden neu gemischt werden." Horx sprach dabei von „Employability": Die Menschen müssten so ausgebildet werden, „dass sie auf dem Arbeitsmarkt interessant bleiben". Eine immer größere Rolle spiele dabei auch die „Coopetition", der Austausch von Mitarbeitern unter miteinander im Wettbewerb stehenden Unternehmen.

19.02.10 11:55 | Permalink