Udo Nadolski
Geschäftsführer der
Harvey Nash Deutschland

Mehr als bloße Lückenbüßer: Unternehmen sehen moderne Zeitarbeitnehmer als flexible Personalreserve

von Udo Nadolski

Der FC Bayern tut es, Real Madrid und Manchester United ebenso, Borussia Dortmund und die Berliner Hertha: Meist in der Winterpause des nationalen Fußball-Wettbewerbs wechseln sie Teile ihrer Profi-Belegschaft aus, oder besser: Sie geben Spieler, die nicht zum Einsatz kommen, zeitweise ab. Meist werden die Spieler an andere Clubs, die gerade entsprechende Personal-Lücken verzeichnen, aber keine allzu großen Investitionen tätigen wollen oder können, ausgeliehen.

„Anstatt das brach liegende Humankapital versauern zu lassen, leiht Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Ersatzmänner dann einfach aus. So kam der Abwehrspieler Mats Hummels zu Borussia Dortmund und schlüpfte von Anfang 2008 bis Mitte 2009 als Leihspieler ins gelb-schwarze Trikot. Im vergangenen Jahr gaben die Bayern den jetzt 21-Jährigen dann endgültig an die Borussen ab. Dort steht er nun bis 2013 unter Vertrag“, beschreibt die Wirtschaftswoche http://www.wiwo.de die Personalveränderungen der Spitzenclubs. Der ausleihende Verein spart in der Regel Gehaltskosten, der Club, der den Spieler vorübergehend an sich bindet, kann den neuen Mann ohne großes Risiko auf Herz und Nieren testen. Fällt er durchs Raster, ist die Rückfahrkarte schon Vertragsbestandteil. In jedem Fall sammelt er Spielpraxis und mithin Berufserfahrung.

Genau das ist einer der großen Vorteile der Zeitarbeit, und zwar nicht nur im Bereich von schlechter bezahlten Tätigkeiten. Zeitarbeitnehmer sind für uns ganz klar eine flexible Personalreserve. Der Arbeitgeber hat die Möglichkeit, ohne großes Risiko und längerfristige Verpflichtungen einen potenziellen neuen Mitarbeiter in Augenschein zu nehmen und zu prüfen, wie er sich einfügt, ob er ein Teamplayer ist, wie schnell er neue Aufgabenbereiche erfasst und ob man ihn schließlich dauerhaft an das eigene Unternehmen binden kann oder will. Somit gelingt oft der Sprung in die Festanstellung. Im Bereich von hochqualifizierten Leistungsträgern wie Ingenieuren, Technikern und Facharbeitern ist die Zeitarbeit zudem unverzichtbar, um den erwarteten Fachkräftemangel zu überwinden.

Auch wenn die Entwicklung am Zeitarbeitsmarkt konjunkturbedingt 2009 wie in anderen Bereichen rückläufig war, hat die Bundesregierung die Bedeutung der Zeitarbeit in ihrem Bericht über Erfahrungen bei der Anwendung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) http://www.bmas.de/portal/41574/2010__01__13__aueg-bericht.html explizit unterstrichen: Mit mehr als 20 Pro¬zent hatte die Zeitarbeit einen hohen Anteil am Zuwachs sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in den konjunkturell guten Jahren 2005 bis 2008. Die Zahl der Zeit¬arbeitnehmer hat sich demnach seit 2004 auf 760.000 im Jahresdurchschnitt 2008 fast verdoppelt. Insbesondere mittlere und große Betriebe nutzten Mitte 2008 das Instrument Zeitarbeit deutlich häufiger und intensiver als noch vier Jahre zuvor. Mitte 2008 beschäftigte fast jeder vierte mittlere (23 Prozent) und fast jeder zweite Großbetrieb (48 Prozent) Zeitarbeitnehmer. Mitte 2004 waren es nur 17 bzw. 34 Prozent.

26.02.10 10:40 | Permalink