Jobgezwitscher: Twitter erobert den Stellenmarkt 2.0
von Udo Nadolski
Jetzt zwitschern sie schon, um ihre Attraktivität für potenzielle Mitarbeiter zu steigern. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet von zwei - fiktiven - Mitarbeitern der Deutschen Bahn, die die Twitter-Gemeinde beständig mit Information aus dem Konzern versorgen. „Beide haben ein Facebook-Profil. Und beide twittern unter den Namen DBINGa und DBINGo regelmäßig über ihren Alltag bei der Bahn. ‚Wir wollen euch so viel Deutsche Bahn zeigen wie möglich’, verkündet DBINGa reichlich steif über Twitter“, so die SZ. Demnach soll die Bahn nicht der einzige Konzern sein, der sein Image digital aufhübscht. „Besonders die großen Konzerne wie die Otto Group, Daimler, Allianz, Bayer, die Deutsche Lufthansa oder Tchibo setzen auf Twitter als Recruiting-Strategie. Von 30 im Dax gelisteten Unternehmen haben 22 einen Twitter-Account“, so der Bericht.
Allein im letzten Jahr sind nach einem Bericht der österreichischen Tageszeitung Der Standard 340.000 Stellenangebote getwittert worden, wobei die klassischen Jobportale Twitter weniger als Konkurrenz, sondern als Ergänzung ihrer Informationsvermittlung bewerten. „Das Publikum auf Twitter ist potenziell grenzenlos - ein Nutzen der mittlerweile sowohl bei Personalvermittlern und -abteilungen als auch bei Jobsuchenden Aufmerksamkeit gefunden hat“, schreibt die Zeitung. Keine Frage, die Suche neuer Mitarbeiter über das Web 2.0 trägt zum Aufbau der so genannten Arbeitgeber-Marke - Employer Branding - bei und mindert die Bedeutung der klassischen Stellenanzeige. Man erreicht regelmäßig auch diejenigen, die nicht aktiv eine neue Stelle suchen, aber nicht abgeneigt sind, sich mit einer entsprechenden Information zu beschäftigen.
Rund 30 Prozent aller Neueinstellungen in Deutschland kommen mittlerweile über soziale Netzwerke wie Xing oder Linked-in zustande. Laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nutzen im Jahr 2008 insgesamt 49 Prozent der Betriebe bei der Suche nach geeignetem Personal persönliche Kontakte ihrer Mitarbeiter in entsprechenden Netzwerken. Der Berliner Tagesspiegel hat diese Entwicklung kurz und knapp beschrieben: „„Aus dem alten Vitamin B - B für Beziehungen - ist das neue Vitamin N geworden. Verließ man sich früher auf die Bekanntschaften aus dem Familien- und Freundeskreis, netzwerkt man heute.“
In den Vereinigten Staaten ist diese Entwicklung sogar noch ausgeprägter, so die SZ: „Das Unternehmen Jobvite beschäftigt sich mit der Nutzung sozialer Netzwerke für die Personalsuche und hat eine Umfrage zum Thema gemacht. Demnach gaben 95 Prozent der befragten Firmen an, Online-Netzwerke für ihr Recruiting zu nutzen, fast 50 Prozent der Firmen suchten auch über Twitter nach einem geeigneten Kandidaten. 70 Prozent gaben an, dass ihre Suche erfolgreich war.“


