Spacer2-42
Harvey Nash People Spacer30-13 Harvey Nash Logo
Spacer30-21

Wie benutze ich das blöde Ding? oder Die Renaissance der Einfachheit - Intuitive Benutzerführung punktet beim Verbraucher

Von Udo Nadolski

Es ist wie mit dem Schweizer Taschenmesser, dass nur als Korkenzieher oder Briefbeschwerer benutzt wird: Viele Funktionen sind unbekannt, etliche bleiben zeitlebens unbenutzt bei so manchem Gerät. Sind wir am Ende gar ein Volk von Technikfeinden? Oder können die modernen Alleskönner in Gestalt von Handy, Smartphone, Netbook, Notebook einfach zu viel? Oft genug verheddern wir uns zumindest im digitalen Dickicht.

Mobiltelefone beispielsweise leiden an Funktionalitis, bieten zu viele Funktionen für den Durchschnittsverbraucher. Das ist ein Ergebnis einer Studie zur Techniknutzung in Deutschland, die von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) durchgeführt wurde. Handys verfügen demnach über viel zu viele Funktionen, die kaum genutzt werden. Rund 70 Prozent der befragten Berufstätigen wünschen sich, so die Studie, ein schlichtes Handy ohne Zusatzfunktionen, mit dem man telefonieren und SMS verschicken kann. er Konsumentenwunsch nach Vereinfachung von Produkten und Dienstleistungen beschäftigt immer stärker die Strategien von Unternehmen und Wissenschaft, ein Phänomen, das der Zukunftsforscher Matthias Horx als das Herstellen des richtigen Maßes an Komplexität bezeichnet: als Rightsizing. Gefordert sind heute Benutzerfreundlichkeit - Usability - und Einfachheit, verständliche, intuitive Benutzerführung. Damit hätten Unternehmen auch mehr Erfolg im Verkauf.

John Maeda, Grafikdesigner, Medienkünstler und Dozent am Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) sowie Gründer des Simplicity-Consortiums, beschreibt in seinem Buch „Simplicity. Die zehn Gesetze der Einfachheit“ Strategien, die das tägliche Leben, aber auch die Entwicklung neuer, einfacher Produkte vorantreiben können. „Auf den Märkten wimmelt es von Einfachheitsversprechen“, schreibt Maeda - für ihn auch eine Folge eines Technik-Overloads: „Die verbreiteten Forderungen nach Einfachheit waren ein unvermeidlicher Trend, nachdem die Technologiebranche es darauf angelegt hatte, immer wieder die gleichen Dinge in ‚neuer und verbesserter’ Form zu verkaufen, wobei ‚besser’ oftmals einfach nur ‚mehr’ bedeutet.“ Als Beispiels für den Erfolg der Einfachheit nennt er den Siegeszug „des iPod von Apple, eines Geräts, das weniger kann und mehr kostet als andere digitale Musikabspielgeräte. Ein weiteres Beispiel ist die scheinbar karge Eingabemaske der Suchmaschine Google, die so beliebt ist, dass ‚googeln’ zum Synonym für eine Suche im World Wide Web wurde“, sagt Maeda.

Intuition scheint das Zauberwort. Intuitive Benutzerführung macht Komplexität handhabbar. „Die möglichst selbst erklärende und einfache Gestaltung der Benutzeroberfläche ist für eine im Virtuellen stattfindende Technologie zentral“, bestätigen die Autoren Sascha Lobo und Holm Friebe in ihrem Buch „Wir nennen es Arbeit“ mit Verweis auf die Nutzerfreundlichkeit von Webseiten: „Nirgends zeigt sich deutlicher als im Netz, dass Design und Usability, also Gestaltung und gute Benutzerführung, zusammengehören. Das Unternehmen, welches das Web 2.0 am stärksten geprägt hat, ist zugleich das Unternehmen mit der einfachsten Website: Google. Der viel gerühmte Minimalismus, nur das Allernötigste abzubilden, nämlich das Eingabefeld und den Suchknopf, hat mit seinem durchschlagenden Erfolg zu einer Renaissance der Einfachheit geführt. ‚Simplicity’ gilt bei Unternehmen im Netz nicht mehr als vergebene Umsatzschance. (…) Einfachheit in der Bedienung gewährleistet, dass mehr User eine Website besser nutzen können.“ Eine Studie des deutsch-amerikanischen Marktforschungsinstitutes Modalis Research bestätigt diese These, da sich bei Interneteinkäufen vorwiegend Onlineshops mit benutzerfreundlicher und verständlicher Navigation der Gunst der Käufer erfreuen.

Permalink

 
Spacer30-5
Client Services
Candidates/Jobs
Useful Links
 
Map