von Udo Nadolski
Immer wieder Google: Die Web-Supermacht rüstet weiter auf im Wettlauf um die digitale Vorherrschaft und schickt sich an, den lokalen Suchdienst Yelp zu übernehmen. „Der bietet Bewertungen von Restaurants und kleinen Geschäften, die äußerst beliebt sind. Google erhofft sich dadurch mehr Werbung von heimischen Geschäftsleuten im Netz“, berichtet Spiegel Online. Die Aussichten sind rosig, denn allein „im November hatte die Seite laut Comscore 8,9 Millionen Besucher“, so das Magazin. Eine weitere Säule, die das Imperium aus Mountain View trägt.
Gleichzeitig wächst die Angst vor Google & Co: Die Web-Unternehmen, so Kritiker, horten Berge von persönlichen Daten der Internet-Nutzer und verfügen über enorme Marktmacht. Anfang 2009 betrug der Google-Marktanteil bei Suchmaschinenanfragen weltweit über 80 Prozent. Aber wer überblickt schon alle Dienste, mit denen Google an unsere Daten und geheimsten Wünsche kommt? Wer hat mehr als eine vage Ahnung über die Abhängigkeiten, in die man geraten kann? Fragen, die der Web 2.0-Visionär und Autor Ibrahim Evsan in seinem aktuellen Buch „Der Fixierungscode“ aufgreift. Er selbst ist, so schreibt Evsan, „in Sachen Google ebenso hin- und hergerissen wie viele andere auch. Zum einen stellt dieses Unternehmen eine sehr ausgereifte Internetsuchmaschine und erstklassige Services zur Verfügung, zum anderen hat es mittlerweile eine solche Größe und Marktmacht erreicht, dass man schon fast von einem Monopol sprechen muss.“ Die Gefahr der Abhängigkeit und Einseitigkeit angesichts unbefriedigender Alternativen ist offenkundig, der moderne Mensch liegt an der Kette digitaler Möglichkeiten.
Keine Frage: Unter den Jüngeren hat das Internet den Fernseher schon verdrängt und Millionen Menschen sind über berufliche oder soziale Netzwerke im World Wide Web verbunden. Unser Computer ist unser Reisebüro, unsere Bank, unser Einkaufsberater, unser Freizeitgestalter, unsere Stereoanlage und unser Fernseher. Wir spielen, mailen, bloggen, twittern, und vor allem googeln wir, was das Zeug hält. Die Maschinen, die wir dazu benutzen, werden immer schöner, wir selbst sind zunehmend fixiert auf den digitalen Kosmos hinter unseren Endgeräten. Dort, so Evsans provokante These, könnte die Welt bereits unter den Internet-Giganten aufgeteilt sein, schließlich gebe es für jedes Bedürfnis, für jeden Markt bereits eine Supermacht. „Wenn dem so wäre, dann wäre Google die Informations-Supermacht, Amazon die Einkaufs-Supermacht, Facebook und MySpace wären die Social-Network-Supermächte. Monopolisten unseres digitalen Lebens.“