Elitäre Abstimmung mit den Füßen – Die modernen Auswanderer sind nicht mehr arm
Von Udo Nadolski
Das russische Team war die große Ausnahme bei der jetzt zu Ende gegangenen Fußball-EM in Österreich und der Schweiz. Nur ein russischer Kicker verdient sein Geld im Ausland. Alle anderen spielen für heimische Vereine, weil diese mittlerweile finanziell oft sehr gut ausgestattet sind. Ansonsten ist es üblich, dass Top-Profis heute in England, morgen in Spanien und übermorgen in Italien spielen. Dass zurzeit nicht so viele deutsche Spieler den Sprung in andere Ligen schaffen, das liegt auch darin begründet, dass uns die Ausnahmetalente fehlen. Die Bundesliga zieht eben eher das gute oder gehobene Mittelmaß an.
In der Wirtschaft sieht es etwas anders aus. Immer mehr Fach- und Führungskräfte wollen in die USA, die Schweiz oder nach Großbritannien. Eine aktuelle Umfrage belegt, dass die Elite ins Ausland geht, weil sie dort mehr verdienen kann. Bei uns findet sie hingegen hohe Steuern, niedrige Gehälter und schlechte Karrierechancen. Unser Land droht auszubluten, wenn die besten Kräfte die Heimat verlassen. Denn es gehen ja nicht nur Menschen, sondern wir verlieren durch diese Wanderungsbewegungen auch eine Menge Know-how. Die modernen Auswanderer sind in Deutschland zur Schule gegangen und haben hier studiert. Ihr Geld verdienen sie dann aber im Ausland, zahlen dort Steuern und bringen die dortige Wirtschaft voran.
Aus diesen Fakten können wir nur eine Lehre ziehen. Wir müssen entschieden mehr dafür tun, damit unsere Elite im Lande bleibt oder zumindest nach mehreren Auslandsjahren wieder zurückkommt. Geld ist nicht alles, aber gerade im akademischen Bereich können Spitzenkräfte in den USA oder Großbritannien oft deutlich mehr verdienen. Außerdem bieten die angelsächsischen Hochschulen in der Regel viel bessere Karriereaussichten als die deutschen. Und wir müssen noch einen zweiten Schritt unternehmen. Wir sollten qualifizierte Zuwanderer mit offenen Armen empfangen – und zwar mit ihren Familien und für „immer“, nicht nur für eine „Gastarbeit“. Bei der EM haben die deutschen Fans gezeigt, dass sie zusammen mit anderen Nationen friedlich und fröhlich feiern können. Auch unser Wirtschaftsleben kann nur profitieren, wenn wir „multikultureller“ werden. Und davon profitiert dann das ganze Land.


