Deutschland braucht mehr Vielfalt
Von Udo Nadolski
Viele Köche verderben den Brei. Diese alte Volksweisheit gilt nicht immer. Was wäre zum Beispiel unsere Küche, wenn wir in den vergangenen Jahrzehnten nicht wertvolle Impulse aus Frankreich, Italien, Griechenland, der Türkei oder den asiatischen Ländern bekommen hätten? Unsere Esskultur ist in den letzten 50 Jahren viel internationaler geworden. Dieser Entwicklung verdanken wir Genuss und Gaumenfreuden.
In der Arbeitswelt ist es ähnlich. Wo wären wir heute, wenn wir unser Land und unsere Wirtschaft hermetisch abschotten würden? Mit Sicherheit nicht Exportweltmeister. Die schrecklichen Ereignisse in Birma zeigen zurzeit aller Welt, wohin es führt, wenn im Jahr 2008 nationale Regierungen noch denken, sie seien allein auf der Erde und bräuchten keine Hilfe von außen.
Harvey Nash ist ein globales Unternehmen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an 31 Standorten weltweit vertreten. Rund 4.000 Harvey Nash-Leute profitieren tagtäglich vom Austausch mit anderen Kulturen sowie Denk- und Arbeitsweisen.
Vor diesem Hintergrund ist es für mich als Geschäftsführer von Harvey Nash in Deutschland selbstverständlich, die „Charta der Vielfalt“ zu unterzeichnen. Sie geht auf eine gemeinsame Initiative von Deutsche BP, Deutsche Telekom, Deutsche Bank und Daimler zurück. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ist Schirmherrin der Initiative, deren Koordination die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Frau Prof. Dr. Maria Böhmer übernommen hat.
Wir unterstützen diese Kampagne, weil sie ein Bekenntnis zu Toleranz, Fairness und Wertschätzung in der Unternehmenskultur ist. Davon profitiert unsere Wirtschaft, und davon profitieren wir alle, wenn unser Zusammenleben harmonisch und friedfertig ist. 15 Millionen Deutsche haben einen Migrationshintergrund. Wir sollten sie mit offenen Armen empfangen, im Büro, im Sportverein, in der Nachbarschaft, auf unseren Ämtern oder wo auch immer.
Ich hoffe, dass die Wettbewerbe, Workshops, Kongresse und sonstigen Veranstaltungen ein voller Erfolg werden. „Vielfalt als Chance“ muss mehr sein als ein reiner Werbefeldzug. Nicht zuletzt die deutschen Unternehmen haben daran ein riesiges Interesse, denn als alternde Gesellschaft mit einem Fachkräftemangel in bestimmten Branchen sind wir auf qualifizierte Zuwanderer dringend angewiesen. Und eine gelungene Integration der Zuwanderer, die vielleicht nicht zu den High Potentials zählen, entlastet unsere Sozialkassen.
Doch um den Bogen zum Anfang zu schlagen. Den Nutzen Vielfalt sollten wir nicht nur in Cent und Euro berechnen. Wir sollten uns auf diesen spannenden Weg begeben und die Herausforderungen annehmen, weil Vielfalt zwar nie einfach ist, aber immer aufregend und eine Bereicherung für uns alle.


