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Udo Nadolski
Geschäftsführer der
Harvey Nash Deutschland
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Jobgezwitscher: Twitter erobert den Stellenmarkt 2.0
von Udo Nadolski
Jetzt zwitschern sie schon, um ihre Attraktivität für potenzielle Mitarbeiter zu steigern. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet von zwei - fiktiven - Mitarbeitern der Deutschen Bahn, die die Twitter-Gemeinde beständig mit Information aus dem Konzern versorgen. „Beide haben ein Facebook-Profil. Und beide twittern unter den Namen DBINGa und DBINGo regelmäßig über ihren Alltag bei der Bahn. ‚Wir wollen euch so viel Deutsche Bahn zeigen wie möglich’, verkündet DBINGa reichlich steif über Twitter“, so die SZ. Demnach soll die Bahn nicht der einzige Konzern sein, der sein Image digital aufhübscht. „Besonders die großen Konzerne wie die Otto Group, Daimler, Allianz, Bayer, die Deutsche Lufthansa oder Tchibo setzen auf Twitter als Recruiting-Strategie. Von 30 im Dax gelisteten Unternehmen haben 22 einen Twitter-Account“, so der Bericht.
Allein im letzten Jahr sind nach einem Bericht der österreichischen Tageszeitung Der Standard 340.000 Stellenangebote getwittert worden, wobei die klassischen Jobportale Twitter weniger als Konkurrenz, sondern als Ergänzung ihrer Informationsvermittlung bewerten. „Das Publikum auf Twitter ist potenziell grenzenlos - ein Nutzen der mittlerweile sowohl bei Personalvermittlern und -abteilungen als auch bei Jobsuchenden Aufmerksamkeit gefunden hat“, schreibt die Zeitung. Keine Frage, die Suche neuer Mitarbeiter über das Web 2.0 trägt zum Aufbau der so genannten Arbeitgeber-Marke - Employer Branding - bei und mindert die Bedeutung der klassischen Stellenanzeige. Man erreicht regelmäßig auch diejenigen, die nicht aktiv eine neue Stelle suchen, aber nicht abgeneigt sind, sich mit einer entsprechenden Information zu beschäftigen.
Rund 30 Prozent aller Neueinstellungen in Deutschland kommen mittlerweile über soziale Netzwerke wie Xing oder Linked-in zustande. Laut einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nutzen im Jahr 2008 insgesamt 49 Prozent der Betriebe bei der Suche nach geeignetem Personal persönliche Kontakte ihrer Mitarbeiter in entsprechenden Netzwerken. Der Berliner Tagesspiegel hat diese Entwicklung kurz und knapp beschrieben: „„Aus dem alten Vitamin B - B für Beziehungen - ist das neue Vitamin N geworden. Verließ man sich früher auf die Bekanntschaften aus dem Familien- und Freundeskreis, netzwerkt man heute.“
In den Vereinigten Staaten ist diese Entwicklung sogar noch ausgeprägter, so die SZ: „Das Unternehmen Jobvite beschäftigt sich mit der Nutzung sozialer Netzwerke für die Personalsuche und hat eine Umfrage zum Thema gemacht. Demnach gaben 95 Prozent der befragten Firmen an, Online-Netzwerke für ihr Recruiting zu nutzen, fast 50 Prozent der Firmen suchten auch über Twitter nach einem geeigneten Kandidaten. 70 Prozent gaben an, dass ihre Suche erfolgreich war.“
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Legenden, Lecks, Spekulationen: Apple bleibt der Champion der Gratis-PR
von Udo Nadolski
Die einen engagieren ein Heer von Kommunikationsberatern, die anderen streuen Gerüchte. Dass diese durchaus gezielt über die relevanten Kanäle gelenkt werden, gehört zum Konzept von Apple. Wann immer neue Produkte auf den Weg gebracht werden, geschieht dies beim Jobs-Konzern nicht durch offizielle Medien-Mitteilungen, sondern durch die Erzeugung von Spannung und Ungewissheiten, durch gezielte Lecks und vielsagendes Schweigen - eine Strategie, die nahezu allen Grundregeln moderner Markenführung widerspricht, den Kultstatus der Marke befördert und dauernde Medien-Präsenz sichert. Je knapper die vorhandenen Informationen, desto wilder die Spekulationen, die sich rasend schnell über das Web verbreiten.
Das jüngste Gerücht aus dem kalifornischen Cupertino, das Blogosphäre und Publikumsmedien gleichermaßen in Atem hält, dreht sich aktuell um einen Tablet-PC. „Der US-Konzern stellt angeblich Ende Januar ein entsprechendes Produkt vor. Analysten prognostizieren sogar schon Absatzzahlen - für ein Gerät, das noch niemand kennt, zu dem Apple wie üblich offiziell nichts verlauten lässt und noch nicht einmal die Existenz bestätigen will“, so berichtet die Financial Times Deutschland (FTD). Eine bewährte Methode: Das iPhone, so schrieb es die Wirtschaftswoche seinerzeit, war schon Legende, bevor es auf dem Markt war: „Apples Interpretation eines modernen Mobiltelefons ist schon jetzt ein Phänomen, obwohl es nur wenige Außenstehende in der Hand gehalten oder getestet haben“, hieß es dort vor rund drei Jahren. Als „Meister der Gratis-PR“ bezeichnete der Spiegel damals das Unternehmen. „Die redaktionelle Berichterstattung hat laut David Yoffie, Professor an der Harvard Business School, bereits einen Wert von 400 Millionen Dollar erreicht“, so das Nachrichtenmagazin. Niemals zuvor sei das Interesse an einer Produktvorstellung größer gewesen. Und die Mobilfunkplatzhirsche wie Nokia, Palm, SonyEricsson oder Motorola waren mehr als aufgeschreckt.
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Sind die Web-Märkte schon aufgeteilt? - Google & Co. sind die Monopolisten des digitalen Lebens
von Udo Nadolski
Immer wieder Google: Die Web-Supermacht rüstet weiter auf im Wettlauf um die digitale Vorherrschaft und schickt sich an, den lokalen Suchdienst Yelp zu übernehmen. „Der bietet Bewertungen von Restaurants und kleinen Geschäften, die äußerst beliebt sind. Google erhofft sich dadurch mehr Werbung von heimischen Geschäftsleuten im Netz“, berichtet Spiegel Online. Die Aussichten sind rosig, denn allein „im November hatte die Seite laut Comscore 8,9 Millionen Besucher“, so das Magazin. Eine weitere Säule, die das Imperium aus Mountain View trägt.
Gleichzeitig wächst die Angst vor Google & Co: Die Web-Unternehmen, so Kritiker, horten Berge von persönlichen Daten der Internet-Nutzer und verfügen über enorme Marktmacht. Anfang 2009 betrug der Google-Marktanteil bei Suchmaschinenanfragen weltweit über 80 Prozent. Aber wer überblickt schon alle Dienste, mit denen Google an unsere Daten und geheimsten Wünsche kommt? Wer hat mehr als eine vage Ahnung über die Abhängigkeiten, in die man geraten kann? Fragen, die der Web 2.0-Visionär und Autor Ibrahim Evsan in seinem aktuellen Buch „Der Fixierungscode“ aufgreift. Er selbst ist, so schreibt Evsan, „in Sachen Google ebenso hin- und hergerissen wie viele andere auch. Zum einen stellt dieses Unternehmen eine sehr ausgereifte Internetsuchmaschine und erstklassige Services zur Verfügung, zum anderen hat es mittlerweile eine solche Größe und Marktmacht erreicht, dass man schon fast von einem Monopol sprechen muss.“ Die Gefahr der Abhängigkeit und Einseitigkeit angesichts unbefriedigender Alternativen ist offenkundig, der moderne Mensch liegt an der Kette digitaler Möglichkeiten.
Keine Frage: Unter den Jüngeren hat das Internet den Fernseher schon verdrängt und Millionen Menschen sind über berufliche oder soziale Netzwerke im World Wide Web verbunden. Unser Computer ist unser Reisebüro, unsere Bank, unser Einkaufsberater, unser Freizeitgestalter, unsere Stereoanlage und unser Fernseher. Wir spielen, mailen, bloggen, twittern, und vor allem googeln wir, was das Zeug hält. Die Maschinen, die wir dazu benutzen, werden immer schöner, wir selbst sind zunehmend fixiert auf den digitalen Kosmos hinter unseren Endgeräten. Dort, so Evsans provokante These, könnte die Welt bereits unter den Internet-Giganten aufgeteilt sein, schließlich gebe es für jedes Bedürfnis, für jeden Markt bereits eine Supermacht. „Wenn dem so wäre, dann wäre Google die Informations-Supermacht, Amazon die Einkaufs-Supermacht, Facebook und MySpace wären die Social-Network-Supermächte. Monopolisten unseres digitalen Lebens.“
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Loyale Kunden sind die besten Werber - Warum deutsche Unternehmen auch auf Mundpropaganda setzen sollten
von Udo Nadolski
Wenige Tage vor Weihnachten scheinen die Deutschen noch einmal nachdrücklich unter Beweis stellen zu wollen, dass die Wirtschaftskrise den privaten Konsum alles andere als geschädigt hat in den letzten zwölf Monaten. Doch mindestens ebenso wichtig wie bloße Abverkaufszahlen sind Parameter, die Themen wie Kundenbindung, Loyalität und Zufriedenheit abbilden, denn das, was wir als Wirtschaftskrise bezeichnen, ist zum großen Teil bekanntlich eine Vertrauenskrise.
Eines steht mittlerweile offensichtlich fest: Erfolgreiche Unternehmen kümmern sich stärker um ihre Bestandskunden als weniger erfolgreiche Unternehmen. Das sagen 300 Führungskräfte deutscher Unternehmen anlässlich einer repräsentativen Umfrage im Rahmen des Excellence Barometers 2009. Dass es wichtiger ist, sich damit zu beschäftigen, wie man Kunden besser binden kann, befürworten 60 Prozent der erfolgreichen und 51 Prozent der weniger erfolgreichen Unternehmen, wobei sich bei letzteren 28 Prozent primär mit der Neukundengewinnung befassen, während dies nur 21 Prozent der erfolgreichen Unternehmen vorrangig tun. Für die übrigen Befragten sind beide Bereiche gleich relevant. „Natürlich ist auch das Neugeschäft wichtig, doch Unternehmen leben auf Dauer von ihren Wiederkäufern“, sagt dazu Anne M. Schüller, Expertin für Loyalitätsmarketing und Autorin mehrerer Fachbücher. „Das größte Vermögen, das ein Unternehmen besitzt, ist die Loyalität seiner Kunden.“
Was man landläufig gerne als Mundpropaganda bezeichnet und im Fachterminus Empfehlungsmarketing nennt, unterschätzen noch immer viele Unternehmen. Gleichwohl könnten sie mit einer Service-Offensive genau hier punkten. Wie klug es ist, seine treuen Kunden zu hegen und zu pflegen, zeigen imponierende Ergebnisse einer Sonderstudie zum Thema. So würden 57 Prozent der Befragten ihren bevorzugten Anbieter weiterempfehlen, während dies bei einer sporadischen Kundenbeziehung nur 27 Prozent tun. „Positive Mundpropaganda lässt sich am leichtesten aus dem Pool begeisterter Stammkunden generieren", erläutert die Expertin und Initiatorin der Studie. „Nur wer mit einem Anbieter dauerhaft gute Erfahrungen macht, wird ihn vehement weiterempfehlen. Dies zahlt sich doppelt aus, denn als glaub- und vertrauenswürdige Multiplikatoren übertrumpfen Empfehler jede klassische Werbung." Und mehr noch: Wer einem Anbieter treu verbunden ist, hilft ihm zu 94 Prozent über Reklamationen und zu 74 Prozent über die Teilnahme an Kundenbefragungen, besser zu werden. Für einen Anbieter, mit dem man nur hin und wieder zu tun hat, sind diese Zahlen deutlich niedriger: Sie betragen 77 respektive 41 Prozent.
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Wie benutze ich das blöde Ding? oder Die Renaissance der Einfachheit - Intuitive Benutzerführung punktet beim Verbraucher
Von Udo Nadolski
Es ist wie mit dem Schweizer Taschenmesser, dass nur als Korkenzieher oder Briefbeschwerer benutzt wird: Viele Funktionen sind unbekannt, etliche bleiben zeitlebens unbenutzt bei so manchem Gerät. Sind wir am Ende gar ein Volk von Technikfeinden? Oder können die modernen Alleskönner in Gestalt von Handy, Smartphone, Netbook, Notebook einfach zu viel? Oft genug verheddern wir uns zumindest im digitalen Dickicht.
Mobiltelefone beispielsweise leiden an Funktionalitis, bieten zu viele Funktionen für den Durchschnittsverbraucher. Das ist ein Ergebnis einer Studie zur Techniknutzung in Deutschland, die von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) durchgeführt wurde. Handys verfügen demnach über viel zu viele Funktionen, die kaum genutzt werden. Rund 70 Prozent der befragten Berufstätigen wünschen sich, so die Studie, ein schlichtes Handy ohne Zusatzfunktionen, mit dem man telefonieren und SMS verschicken kann. er Konsumentenwunsch nach Vereinfachung von Produkten und Dienstleistungen beschäftigt immer stärker die Strategien von Unternehmen und Wissenschaft, ein Phänomen, das der Zukunftsforscher Matthias Horx als das Herstellen des richtigen Maßes an Komplexität bezeichnet: als Rightsizing. Gefordert sind heute Benutzerfreundlichkeit - Usability - und Einfachheit, verständliche, intuitive Benutzerführung. Damit hätten Unternehmen auch mehr Erfolg im Verkauf.
John Maeda, Grafikdesigner, Medienkünstler und Dozent am Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) sowie Gründer des Simplicity-Consortiums, beschreibt in seinem Buch „Simplicity. Die zehn Gesetze der Einfachheit“ Strategien, die das tägliche Leben, aber auch die Entwicklung neuer, einfacher Produkte vorantreiben können. „Auf den Märkten wimmelt es von Einfachheitsversprechen“, schreibt Maeda - für ihn auch eine Folge eines Technik-Overloads: „Die verbreiteten Forderungen nach Einfachheit waren ein unvermeidlicher Trend, nachdem die Technologiebranche es darauf angelegt hatte, immer wieder die gleichen Dinge in ‚neuer und verbesserter’ Form zu verkaufen, wobei ‚besser’ oftmals einfach nur ‚mehr’ bedeutet.“ Als Beispiels für den Erfolg der Einfachheit nennt er den Siegeszug „des iPod von Apple, eines Geräts, das weniger kann und mehr kostet als andere digitale Musikabspielgeräte. Ein weiteres Beispiel ist die scheinbar karge Eingabemaske der Suchmaschine Google, die so beliebt ist, dass ‚googeln’ zum Synonym für eine Suche im World Wide Web wurde“, sagt Maeda.
Intuition scheint das Zauberwort. Intuitive Benutzerführung macht Komplexität handhabbar. „Die möglichst selbst erklärende und einfache Gestaltung der Benutzeroberfläche ist für eine im Virtuellen stattfindende Technologie zentral“, bestätigen die Autoren Sascha Lobo und Holm Friebe in ihrem Buch „Wir nennen es Arbeit“ mit Verweis auf die Nutzerfreundlichkeit von Webseiten: „Nirgends zeigt sich deutlicher als im Netz, dass Design und Usability, also Gestaltung und gute Benutzerführung, zusammengehören. Das Unternehmen, welches das Web 2.0 am stärksten geprägt hat, ist zugleich das Unternehmen mit der einfachsten Website: Google. Der viel gerühmte Minimalismus, nur das Allernötigste abzubilden, nämlich das Eingabefeld und den Suchknopf, hat mit seinem durchschlagenden Erfolg zu einer Renaissance der Einfachheit geführt. ‚Simplicity’ gilt bei Unternehmen im Netz nicht mehr als vergebene Umsatzschance. (…) Einfachheit in der Bedienung gewährleistet, dass mehr User eine Website besser nutzen können.“ Eine Studie des deutsch-amerikanischen Marktforschungsinstitutes Modalis Research bestätigt diese These, da sich bei Interneteinkäufen vorwiegend Onlineshops mit benutzerfreundlicher und verständlicher Navigation der Gunst der Käufer erfreuen.
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Employer Branding oder Abschied von der Stellenanzeige: Arbeitgeber müssen zur Marke werden
Von Udo Nadolski
Der gute Philipp Lahm: Da wünscht man sich den mündigen Profi-Fußballer als Angestellten, der auch außerhalb des grünen Platzes unfallfrei mehr als Sportler-Plattitüden absondern kann; und wenn er sich dann herauswagt aus dem behüteten Bayern-Nest, ist auch das falsch. 50.0000 Euro soll er nun berappen für seine öffentliche Kritik an den Spielertransfers der letzten Jahre und dem Vorwurf der Strategielosigkeit beim Rekordmeister aus München.
In anderen Unternehmen gibt es Prämien für Verbesserungsvorschläge, mag mancher einwenden. Doch wer „die Kameradschaft verlässt“, wie es Altkanzler Kohl bisweilen gegenüber Abweichlern in der Partei formulierte, und sich in öffentlicher Kritik am eigenen Haus übt, beschädigt auch dessen Markenbildung - ganz gleich, ob das beim FC Bayern München oder dem Mittelständler an Rhein und Ruhr geschieht. Der Unterschied ist, dass der Fußball-Riese es ungleich leichter hat, gute (neue) Leute zu finden. Um dort zu arbeiten, bringt der geneigte Jung-Profi sogar noch Geld mit - wenn es denn gar nicht anders ginge. Dieses Image, die Anziehungskraft und Faszination, fehlt vielen Unternehmen.
Employer Branding wird bei vielen Betrieben noch unterschätzt. Um Leistungsträger zu locken, bedarf es heute mehr als der Stellenausschreibung mit „den üblichen Sozialleistungen und angenehmem Betriebsklima“, obwohl viele händeringend nach Fach- und Führungskräften suchen. „Wo der Konzern mit globaler Präsenz lockt, kann der Mittelständler schnelle und konzentrierte Erfahrung im Auslandsgeschäft bieten. Der hohen Produktbekanntheit stehen individualisierte High-End-Produkte einer traditionell gewachsenen Marke gegenüber“, schrieb dazu die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Zudem könne „man den mannigfaltigen Karrierewegen im Konzern ohne weiteres flache Hierarchien und eine überschaubare Organisation gegenüber stellen.“ Doch es braucht noch mehr: Benefits, Nebenleistungen, Bonusausschüttungen, Gesundheits- und Kinderbetreuungsprogramme, ab einem bestimmten Level auch ein Dienstwagen, Altersvorsorge, Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten gehören zum Paket, um als Arbeitgeber gefragt zu sein und Abwanderungstendenzen entgegen zu wirken. Weil immer mehr Arbeitnehmer ihre Work-Life-Balance zum Kriterium für ihren Arbeitsplatz machen, ist der Faktor Einkommen nicht mehr der einzig entscheidende. Das gilt besonders für Leistungsträger und High Potentials, für die ein positives Arbeitsumfeld und gutes Betriebsklima zählen.
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Pragmatismus bleibt Programm - Verbale Anleihen bei Ludwig Erhard machen den Koalitionsvertrag nicht zum Masterplan
von Udo Nadolski
„Wohlstand für alle“ lautet doch tatsächlich eine prägnante Kapitelüberschrift im Koalitionsvertrag von Union und FDP. Das weckt Erwartungen an den vermeintlichen Masterplan für Deutschland! Leider bleibt wohl eher der Pragmatismus Programm. Über 50 Jahre, nachdem Ludwig Erhards Standardwerk erstmals im Econ-Verlag publiziert wurde, könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich die bürgerliche Koalition tatsächlich auf ihn zurückbesinnt. Keine Frage: Erhards klare Ideen haben das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik nachhaltig geprägt, in deren Kern die Erkenntnis stand, dass erst eine erfolgreiche und wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik die Grundlagen für effektive Sozialpolitik sein kann. Schon damals erkannte er, dass ein überbordender Sozialstaat die Leistungsbereiten demotiviert und wirtschaftliche Aktivität lähmt. Der Abbau des Versorgungsstaates und der vielgliedrigen Subventionssysteme, die Stärkung des Wettbewerbs und der persönlichen Freiheit waren für ihn unabdingbar. Was Merkel, Seehofer und Westerwelle in diesem Punkt unterzeichnet haben, könnte mutiger wirken, auch in Sachen Steuervereinfachungen.
Noch vor vier Jahren hatte insbesondere die Union die erhard’sche Melodie für sich wieder entdeckt und neu aufgelegt, aber um ein Haar die Regierungsbeteiligung verpasst. Haben wir jetzt tatsächlich den schwarz-gelben Restart der Sozialen Marktwirtschaft zu erwarten? Oder werden, verpackt in stilistisch untadelige Worthülsen, Klientelbedürfnisse und Wahlkampfversprechen bedient, Parteiflügel besänftigt und Probleme in Neben-Gremien und Arbeitsgruppen verlagert? Vieles wird erst die Regierungspraxis zeigen. Fest steht aber: Die Regierung Merkel II verwundert schon beim Start. Während in den eigenen Reihen das Murren beginnt, weil Wettbewerb, Freiheit und Marktwirtschaft für viele zu kurz kommen, sind die Sozialstaatsromantiker des linken Lagers überrascht darüber, dass der vorhergesagte soziale Kahlschlag ausbleibt, untere Einkommen entlastet und Bildungsinvestitionen erhöht, der Bildungsarmut der Kampf angesagt, neue Stipendienprogramme ins Auge gefasst werden.
Stichwort Bildungsrepublik: In diesem Abschnitt des Koalitionsvertrags, so kommentiert der frühere Leiter des Elite-Internats Schloss Salem, Bernhard Bueb, in der Rheinischen Post, fällt auf, „dass der Vertrag konkrete, inhaltliche Aussagen, wie man die Ziele und Grundsätze verwirklichen kann, vermeidet. Es fällt kein Wort zur Ganztagsschule, zum dreigliedrigen Schulsystem, zum Selbstverständnis der Lehrer, zu ihrer Aus- und Fortbildung, zu ihren Arbeitsbedingungen.“ Das ist nach Ansicht des Pädagogen den ausgeprägten föderalen Strukturen Deutschlands geschuldet. Denn Bildung ist nun einmal Ländersache. Bestenfalls müsse der Bund selber in die Staatskasse greifen, um die Länder zu Reformen im Bildungssektor zu bewegen. „Konkretere Aussagen werden zur Finanzierung gemacht, weil das Angebot von Geld mit Bedingungen der einzige Weg ist, auf dem die Bundesregierung Einfluss nehmen kann“, so Buebs Prognose. Leider, so möchte man ergänzen, kann der Bund aber angesichts leerer Kassen den mächtigen Ministerpräsidenten genau dies nicht anbieten.
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Schildbürgerstreiche anno 2009 oder Wann wird Steuerverschwendung endlich sanktioniert?
von Udo Nadolski
Leben wir tatsächlich alle in Schilda, der legendären Heimat der Schildbürger, die, so die Erzählung, beim Bau ihres neuen Rathauses beispielsweise die Fenster vergaßen? Der Eindruck drängt sich leider auf beim Blick in den deutschen Blätterwald und die ihn durchwehende Schelte des Steuerzahlerbundes für Politik und Verwaltungen, die sich im aktuellen Schwarzbuch finden.
„Ein Staat sollte alle die Dinge tun, für die man ihn braucht und für die man ihn geschaffen hat“, sagt der liberale Nationalökonom Ludwig von Mises. Zweifellos eine Deutung, die Auslegungen nach dem persönlichen Gusto des jeweiligen Interpreten zulässt, doch von Mises präzisiert seine Ansicht mit wenigen Worten, die er heute bestenfalls zeitgemäß anpassen, aber niemals infrage stellen würde: „Der Staat sollte innerhalb seiner Grenzen die Bürger vor gewaltsamen und betrügerischen Angriffen von Verbrechern schützen und das Land gegen Feinde von außen verteidigen. Das sind die Aufgaben eines Staates in einem freien, marktwirtschaftlichen System.“ Ob man aber in der Eifel-Provinz den Nürburgring zum Vergnügungspark mit Highspeed-Achterbahn ausbauen muss, in Sachsen-Anhalt eine Modenschau für Nutztiere braucht oder sich die ohnehin gebeutelte HSH Nordbank eine stilvolle Motorjacht gönnen sollte? Die milliardenschweren Fehlleistungen der öffentlichen Hand sind beachtlich und müssen endlich sanktioniert werden - auch vor dem Hintergrund, dass die schwarz-gelben Sparkommissare in Berlin derzeit kaum wissen, wo sie tatsächlich signifikante Erfolge erzielen können. Karl-Heinz Däke, der Präsident des Bundes der Steuerzahler, gleicht bei alledem der Hauptfigur des US-Films „Und täglich grüßt das Murmeltier“, der immer und immer wieder den gleichen Arbeitstag erlebt. Auf rund 30 Milliarden Euro beziffert der Bund der Steuerzahler die aktuell verzeichneten Schildbürgerstreiche des 21. Jahrhunderts.
Nur zu gerne zeigte die Politik in den letzten zwölf Monaten auf das Versagen von Bankern und Wirtschaftsführern angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise. Nun muss sie sich selbst unbequeme Fragen stellen lassen, nach Moral, nach Sinnhaftigkeit, nach Werten, nach ethischen Grundsätzen. Denn Ethik wurde von Wilhelm Röpke, einem der Väter unserer marktwirtschaftlichen Ordnung, als „der zentrale Anker der Sozialen Marktwirtschaft“ angesehen und hervorgehoben. Dazu gehört aber auch, dass alle staatlichen Ebenen die Notwendigkeit und die tatsächlichen Effekte ihrer Ausgaben auf den Prüfstand stellen. Auch das könnte Bestandteil eines Regierungsprogramms der Bundeskanzlerin sein, das sich die Unternehmensberaterin Gertrud Höhler in einer Kolumne für Welt Online wünscht: „In dieses Programm gehört die Freischaltung des wachstumsstärksten Konzerns im Lande, der Gesundheitswirtschaft; dazu gehören Brücken in die Arbeitswelt für alle, die durch Subventionen entmachtet sind. Das gehört zum Thema Bildung, wo endlich in Qualität statt in Kosten gedacht werden sollte. Dazu gehört auch der gnadenlose Blick unbestechlicher Kontrolleure auf die Staatsausgaben, die jedes Jahr im Schwarzbuch der Verschwendung auftauchen und nur einen Zeitungstag erleben. An die Stelle des Fahnders muss der leistungsfreundliche Staat treten. Der Staat gehört nämlich den Bürgern, nicht die Bürger dem Staat.“
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Wikipedia und die Artikelzensoren – Die Wissensgesellschaft kann sich Autoren-Okkultismus nicht leisten
Medienberichten zufolge führt die englischsprachige Version der Online-Enzyklopädie Wikipedia redaktionelle Kontrollen unter der Bezeichnung „Flagged Revisions" ein. In Zukunft sollen Artikel zu lebenden Personen für die Nutzer nur noch eingeschränkt editierbar sein. Wie offizielle Vertreter der Wikimedia Foundation in San Francisco verlauten ließen, werden die Beiträge und Änderungen zunächst von „erfahrenen freiwilligen Redakteuren" gegengelesen, bevor sie endgültig online gehen. Vordergründig wolle die Wikipedia-Führung den Einträgen mehr Seriosität verleihen und zuverlässige Informationen liefern.
In Wahrheit verabschiedet man sich vom Grundgedanken des Mitmach-Netzes. Da überrascht es mich nicht, dass man dem Beispiel der deutschen Wikipedia-Macher folgt. Hier herrscht schon seit langer Zeit keine Demokratie der Geistreichen mehr, sondern eine Diktatur der Zeitreichen. Dies ist sehr schön nachzulesen im Buch von Christian Stegbauer „Wikipedia - Das Rätsel der Kooperation". Von einem freien Zugang könne beim Web-Lexikon keine Rede mehr sein. Schon jetzt habe eine kleine Gruppe besonders motivierter und leistungsstarker Mitarbeiter die Führung übernommen. Sie trägt nicht nur die Hauptlast der Lexikoneinträge, sondern bestimmt auch den Kurs des Lexikons - mit der Tendenz, sich nach unten und gegenüber Neuankömmlingen abzuschließen. Wer in die Zirkel eindringen wolle, habe mit Widerstand zu rechnen. „Von der ‚Goldgrube für freies Wissen' bleiben die Probleme mit ‚schwierigen Personen', die dem Projekt nur schaden und daher auch nicht mehr willkommen sind. Dies widerspricht der deklarierten Freiheitsideologie von Wikipedia ‚jeder kann teilnehmen", so Stegbauer.
Statt „ermündende Diskussionen" mit kritischen Geistern zu führen, entscheide wohl eine Oligarchie-Clique, was reinkommen dürfe oder nicht, bemängelt treffend Bernhard Steimel, Sprecher des Fachkongresses Voice Days plus: „Mit dieser Geisteshaltung hätte ein politischer Querkopf wie Joschka Fischer im Bundestag nie Karriere machen können. Demokratische Meinungsbildungsprozesse sind nun mal anstrengend und sollten nicht von einer höchst aktiven Minderheit wegrasiert werden".
Die legendäre Encyclopédie von Denis Diderot war noch ein Projekt der Aufklärung. Sapere aude, so der Leitspruch, habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Und der Verstand legt es doch nahe, dass ein Medium wie Wikipedia nicht im mehr Mittelpunkt von Informationsrecherchen stehen sollte. Eine öffentliche Disputation wie mit den Encyclopédie-Autoren des 18. Jahrhunderts ist mit der anonymen Wikipedia-Gemeinde überhaupt nicht möglich. Da hat der Verfassungsrichter Udo di Fabio vollkommen recht, wenn er eine Manipulation der öffentlichen Meinung beklagt.
Der harte Kern der Wikipedia-Autoren sollte daher namentlich bekannt sein, um mit ihnen öffentlich disputieren zu können. Oder haben die Wikipedia-Oligarchen etwas zu verbergen? Für die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts ist das nicht hinnehmbar. Wenn man die Urheberschaft von Informationen, die im Netz kursieren, relativ einfach verschleiern kann, bekommen Quellen wie Wikipedia einen okkultistischen Charakter.
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Der psychologische Faktor – Warum wir uns vom Leitbild des „Homo oeconomicus“ verabschieden sollten
von Udo Nadolski
Erfreulicherweise ist nach einem Bericht der FAZ die Verhaltensökonomik auf dem Vormarsch. „Die Ergebnisse der Experimentalökonomen zeigen den Menschen von seiner allzu menschlichen Seite: Er ist von Gefühlen und Neigungen, nicht allein von der Ratio bestimmt. Neben dem Streben nach Eigennutz gibt es auch andere Motive, die sein Handeln leiten: Altruismus, Fairness- und Gerechtigkeitserwägungen“, schreibt die FAZ. Das Ziel der Verhaltensökonomik sei, eine allgemeine Theorie des menschlichen Verhaltens zu finden. Die Demontage der neoklassischen Theorie ist überfällig. Sie geht immer noch vom „Homo oeconomicus" aus, der sich strikt rational und eigennützig verhält. Die derzeitige Krise müsste jetzt eigentlich dazu beitragen, diese Rationalitätshypothese schnell aus der Welt zu schaffen. Die Ökonomieprofessoren George Akerlof und Robert Shiller haben in ihrem Buch „Animal Spirits – Wie Wirtschaft wirklich funktioniert” (Campus Verlag) die richtigen Akzente gesetzt. Sie grenzen sich vom simplen Machbarkeitsglauben vieler Wirtschaftswissenschaftler ab.
Unternehmer und Verbraucher sind keine emotionslos kalkulierenden Roboter, wenn sie sich von Moden, Gruppendruck und Massenhysterie beeinflussen lassen. Deshalb kann das ständige Auf und Ab der Wirtschaftskonjunktur nur ungenügend durch makroökonomische Maßnahmen gesteuert werden. Akerlof und Shiller holen den Faktor „Ungewissheit” wieder zurück in die Volkswirtschaftslehre, die immer noch glaubt, dass die Wirtschaft berechenbar sei und sich mehr dafür interessiert, an mathematischen Formeln zu feilen und die Beobachtung der Realität vernachlässigt.
Das war bei den ordoliberalen Wirtschaftsdenkern ganz anders. Sie haben die angelsächsisch geprägte Mathematikgläubigkeit nie geteilt. „Aber genau diese Ökonomie wurde an den europäischen Universitäten ausgetrocknet“, kritisiert Dr. Gerhard Schwarz von der NZZ. Während Modellschreinerei sowie das Zählen, Messen und Berechnen von Korrelationen Reputation und eine akademische Karriere versprechen, friste die Ordnungstheorie ein Dasein in den Elendsvierteln der Nationalökonomie. Dabei könnten wir ein Denken in Ordnungen gerade jetzt gebrauchen. Denn diese Wirtschaftstheorie widersteht dem Glauben an einer präzisen Vorhersagbarkeit und Steuerbarkeit der Wirtschaft. Die ordoliberale Sichtweise war immer viel breiter angelegt. „Sie hat Geschichte und Psychologie, Recht und Philosophie bis hin zur Theologie in die Analyse der Wirtschaft mit einbezogen, also nie nur Ökonomie betrieben. ‚Marktwirtschaft ist nicht genug’, wie der treffende Titel einer eben erschienenen Sammlung mit Aufsätzen von Wilhelm Röpke lautet“, so Schwarz.
Vielleicht sollten wir auch wieder stärker die Klassiker der Marktwirtschaft etwas genauer studieren.
Der heute in Ungnade gefallene Begründer der marktwirtschaftlichen Idee, Adam Smith, war davon weit entfernt, eine einseitige Wirtschaftstheorie zu formulieren: Er war Moralphilosoph, politischer Ökonom, Wirtschafts- und Sozialhistoriker, Rechtstheoretiker, Geschichtsphilosoph, Sprach- und Literaturwissenschaftler sowie Kunsttheoretiker. Also alles andere als ein Fachidiot, der sich hinter irgendwelchen Rechenmodellen versteckt, die niemals die komplexe und widersprüchliche Welt abbilden oder politische Krisen, bahnbrechende Erfindungen, Meinungstrends oder Katastrophen vorhersagen können.
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