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Udo Nadolski
Geschäftsführer der
Harvey Nash Deutschland



Wie Enterprise 2.0 und Mobile Business die Arbeitswelt verändern

von Udo Nadolski

Jeder kennt die erfolgreichen Unternehmer Henry Ford und Frederick W. Taylor, die zu Beginn der Industrialisierung die Arbeitswelt prägten: Arbeitsteilung und Fließbandarbeit lauten hier die Stichworte. Frederick W. Taylor vertrat die Auffassung, dass es für jede Tätigkeit nur eine „allein richtige“ Bewegungsabfolge gibt. In vielen Unternehmen hat diese traditionelle Arbeitsweise auch heute noch Bestand. Kann man mit den industriekapitalistischen Konzepten des vergangenen Jahrhunderts noch einen Blumentopf gewinnen?

Zeit-Autor Götz Hamann widerlegt dies in der Einleitung des Buches „Die Kunst loszulassen Enterprise 2.0“ von Willms Buhse und Sören Stamer. Er spricht vom Generationenwandel, der sich zur Zeit vollzieht: „Es ist der Unterschied zwischen denen, die früher am Fließband standen, und denen, die heute in aller Welt Maschinen einrichten und warten, die dafür notwendige Software schreiben oder eine Maschine in einen komplexen Produktionsprozess einpassen.“, argumentiert der Medien-Experte. Heutzutage gelte es viel mehr, seinen Mitarbeitern die Möglichkeit zu bieten, freiwillig mehr Verantwortung auch außerhalb seines Tätigkeitsfeldes zu übernehmen. Persönliche Neigungen und Meinungen der Mitarbeiter sollen stärker berücksichtigt werden. Besonders wichtig ist der Austausch von Informationen untereinander, ohne der ständigen Kontrolle von Organisationen, Prozessen und Techniken ausgesetzt zu sein. Mitteilungen sollen sich möglichst ungehemmt ausbreiten können, ohne ständig auf ihren Wegen von der oberen Etage gefiltert zu werden.

Eine große Rolle beim Informationsaustausch spielt das Mobile Business. Mobile Endgeräte entwickeln sich zu Alleskönnern, die man per Sprache steuern kann, mit Künstlicher Intelligenz aufrüstet und als persönliche Assistenten in allen Lebenslagen einsetzt. Schon selbstverständlich ist es, E-Mails abzurufen und zu beantworten, im Internet zu surfen, GPS-Funktionen zu nutzen und per Fingertipp Aktienkurse zu checken.

Diese Geräte machen das Leben von kontrollbesessenen Führungskräften schwer – der Informationsaustausch von Mitarbeitern kann nicht mehr dirigiert werden. Deshalb ist es meiner Meinung nach so wichtig, dass wir uns von der hierarchischen Fließbandarbeit verabschieden und die Selbstorganisation in Unternehmen nicht behindern. Denn besser informierte Mitarbeiter können eine höhere Produktivität erreichen. Die Wissensarbeiter tragen mehr Eigenverantwortung und entfalten sich besser. Sie tragen mehr zur Wertschöpfung bei als ein einer traditionellen Organisation. Blackberry, iPhone & Co. leisten dazu einen erheblichen Beitrag.

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Steinbuch, Allensbach und die fatalen Folgen der Endzeitstimmung - Warum wir uns jetzt antizyklisch verhalten sollten

Kennen Sie Karl Steinbuch? Bei der täglichen Lektüre der Schreckensnachrichten über eine drohende Rezession der Weltwirtschaft sollten Sie sich mit Steinbuch beschäftigen. Der Informatik-Professor hat 1979 eine interessante Korrelation entdeckt. Er hat berechnet, dass eine seit 1949 jeweils zum Jahresende vom Institut für Demoskopie Allensbach gestellte Frage „Sehen Sie dem Neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen“ in dem Prozentsatz der Antworten „mit Hoffnungen“ der Entwicklung des realen Bruttosozialprodukts vorauseilt. „Der Verlauf des Optimismus folgt wie das Wachstum des Bruttosozialprodukts Zyklen mit einer Dauer von etwa vier bis fünf Jahren und der Optimismus in der Bevölkerung hinkt nicht hinter der Konjunktur her, sondern geht ihr voraus: Zuerst Optimismus, dann Wachstum“, so Steinbuch. Die persönliche Einschätzung der Zukunft sei scheinbar ein besserer Indikator für die Entwicklung der Konjunktur, als die mit großem wissenschaftlichen Aufwand betriebenen Vorhersagen der Wirtschaftsforschungsinstitute. Der von Steinbuch entdeckte Effekt gilt leider auch in umgekehrter Richtung.

Die weltweit kolportierte Endzeitstimmung könnte eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang setzen: Die wirtschaftliche Dynamik ist nicht nur abhängig von äußeren Faktoren wie Steuerlast oder Arbeitsgesetzen, sondern in hohem Maß auch von Psychologie. Für die Konjunkturentwicklung ist es relevant, wie es zu gleichgerichteten Verhaltensweisen der Bevölkerung bei jenen Faktoren kommt, die Expansion und Rezession beeinflussen; denn erst der Gleichschritt erzeugt die Durchschlagskraft, verstärkt die Wirkung so sehr, dass der Konjunkturverlauf einen schicksalhaften Rang erhält. Als Ursache ist ein sozialpsychologischer Faktor herausgearbeitet worden – Ansteckung. Sie wird ausgelöst durch übereinstimmende Motive der Wirtschaftsakteure, gemeinsame, unter bestimmten Umständen erweckte Vorstellungen, Nachahmung, Übertragung von Gefühlen und überspringende Stimmung.

Wenn jetzt kollektiv von Marktversagen und vom Niedergang des so genannten Neoliberalismus gesprochen wird, hat das fatale Folgen. Über 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland setzen auf mehr Staat statt auf mehr Markt. Unisono vertreten mittlerweile alle politischen Akteure die Auffassung, dass man sich von der liberalen Marktgläubigkeit verabschieden müsse. Dabei blendet man die Ursachen der geplatzten Finanzblase gerne aus. „Verschulden Sie sich. Bei uns kostet der Kredit nur ein Prozent Zinsen im Jahr“, das war über viele Jahre die Botschaft der amerikanischen Notenbank an die Kreditinstitute. Die Banken spielten gerne mit. In Deutschland waren es auffällig viele Finanzinstitute der öffentlichen Hand. Die Finanzkrise ist also im Kern von einer staatlichen Institution ausgelöst worden – durch die legere Geldpolitik der Federal Reserve Bank. Ein Versagen der Marktwirtschaft sieht anders aus. Deshalb sollten wir uns in der Realwirtschaft vom Chorheulen der Wölfe verabschieden und antizyklisch agieren. Investieren, konsumieren, Firmen gründen, zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Die wirtschaftliche Prosperität ist abhängig von der Summe der Einzelentscheidungen.

Wir haben uns als Unternehmen für Expansion entschieden: Mit der Gründung von Nash Technologies bauen wir unser Geschäft im sehr zukunftsträchtigen Markt für drahtlose Kommunikation aus, entwickeln mobile Netzwerk-Lösungen und schaffen neue Arbeitsplätze. Die Allensbach-Jahresumfrage beantworten wir mit der Kategorie „Hoffnungen“.

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Rettet die Marktwirtschaft

Bekennende Marktwirtschaftler haben es in diesen turbulenten Tagen schwer, sich Gehör zu verschaffen. Eine gewichtige Stimme ist Daniel Zimmer, Direktor des Instituts für Handels- und Wirtschaftsrecht der Universität Bonn und Mitglied der Monopolkommission. Im Interview mit der FAZ skizzierte er die negativen Folgen der Finanzkrise für die marktwirtschaftliche Ordnungspolitik. „Es gibt nun einmal den Reflex, in schwierigen Zeiten dem Staat besonders viel zuzutrauen. Aber das ist gefährlich“, warnt Zimmer.

Der Finanzcrash dürfe nicht den Blick darauf verstellen, dass der ganze Wohlstand, den wir in den vergangenen Jahrzehnten erwirtschaftet haben, in einer Marktwirtschaft gewonnen wurde, deren Grundlage Handlungsfreiheit war. Die derzeitigen Rettungsaktionen werden aber vermutlich Strukturen schaffen, die man nur schwer wieder loswerden könne. „Anschaulich machen lässt es sich derzeit anhand des Beispiels der Vereinigten Staaten. Dort hat die Regierung das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, hat bei den Immobilienfinanzierern Freddie Mac und Fannie Mae die Kontrolle über die Geschäftsführung übernommen und der heimischen Automobilindustrie einfach so riesige staatliche Zuschüsse gewährt“, sagt Zimmer. Es sei kein gutes Zeichen, dass die Kanzlerin der deutschen Autoindustrie auch schon Unterstützung versprochen hat. „Wir drohen da in einen Wettlauf der Wettbewerbsverfälschungen hineinzulaufen, der unseren Wohlstand gefährdet“, kritisiert der Wirtschaftsexperte.

Selbst in der Branche für Telekommunikation, die seit der Liberalisierung gigantische Wachstumsraten verzeichnen konnte, schreien Experten nach dem starken Staat. Die Politik solle Untergrenzen für die Preise festlegen und Steuergelder in Großprojekte investieren, um den Telekommunikationsunternehmen zu helfen. So schnell schmeißen gestandene Manager marktwirtschaftliche Grundsätze über Bord. Eine passende Antwort hat Aastra-Deutschland-Chef Andreas Latzel gegeben. „Ich halte es für falsch, staatliche Regulationen zu fordern. Es handelt sich um eine natürliche Konsolidierungsphase, die nach der Orientierungslosigkeit durch diffusen Innovationsdruck und technologischen Entwicklungssprüngen notwendig ist. Viele Firmen haben sich schlichtweg verzockt. Sie haben auf einen unendlich steigenden Bandbreitenbedarf spekuliert und die Erosion der Preise nicht beachtet, die aus dem Überangebot resultiert. Die Equipment-Hersteller wiederum haben sich zu sehr auf die Big Deals im Carrier-Geschäft fokussiert und die Unternehmenskommunikation mit vergleichsweise kleinem Projektvolumen vernachlässigt“, erklärt Latzel.

Das ist auch meine Meinung. Die TK-Unternehmen müssen sich stärker auf die wirklichen Bedürfnisse der Kunden konzentrieren und sollten nicht auf allen Hochzeiten tanzen: Es reicht nicht aus, nur Schlagwörter in die Welt zu setzen und keine maßgeschneiderten Produkte zu entwickeln, die man leicht installieren und warten kann. Technisches aller Art kommt häufig unausgereift auf den Markt und arbeitet nicht mit anderen Komponenten zusammen. TK-Manager sollten nicht nach dem Staat schreien, sondern ihre Hausaufgaben machen. Zudem hat Daniel Zimmer von der Monopolkommission berechtigter Weise auf die Tatsache hingewiesen, dass die Finanzkrise durch drastisches Staatsversagen hervorgerufen wurde. So hat die US-Regierung Menschen förmlich ermutigt, Häuser zu kaufen, die sie sich nicht leisten konnten, und die Zentralbank hat den Markt mit billigem Geld überschwemmt. „Auch die Lücken in der Finanzaufsicht waren kein Marktversagen. Zu einer funktionierenden Marktwirtschaft gehört eine gute Bankenaufsicht. Die hat es in den Vereinigten Staaten nicht gegeben“, erklärt Zimmer. Und in Deutschland sind es ja wohl in erster Linie Finanzinstitute mit Staatsbeteiligung, die sich auf dem Kapitalmarkt verhoben haben und nun das Rettungspaket anzapfen. Von den politischen Repräsentanten unseres Landes wird das achselzuckend zur Kenntnis genommen. Kann man in diesen Fällen noch vom Raubtierkapitalismus und der Hybris des Neoliberalismus sprechen?

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Damian Sicking und die archaische Verehrung des Industriekapitalismus

In einem offenen Brief an den Venture-Capital-Unternehmer Dr. Gottfried Neuhaus reibt sich der Heise-Kolumnist Damian Sicking an einer allzu optimistischen Betrachtung des Dienstleistungssektors. Er verweist auf die Blütenträume der New Economy. Die damaligen Verheißungen vom Wandel der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft hätten sich als Irrtum erwiesen.

„Besteht nicht ein wesentliches Fundament unseres Wohlstands darin, dass wir Produkte (Autos, Maschinen, chemische Erzeugnisse etc.) herstellen und global vermarkten? Welche Dienstleistungen können wir denn statt dessen exportieren“, fragt sich Sicking und strapaziert seine Leser mit dem witzlosen Zitat „Wir können nicht davon leben, dass wir uns gegenseitig die Haare schneiden."

Lieber Herr Sicking, der Dienstleistungssektor wird doch nicht von Friseuren oder Pizzabäckern geprägt. Ein Blick in das Jahrbuch des Statischen Bundesamtes könnte Ihnen vielleicht helfen. In Deutschland sind besonders jene Bereiche gewachsen, die Dienstleistungen für andere Unternehmen erbringen. Der sektorale Strukturwandel vollzieht sich also nicht primär über eine Verdrängung von Industriewaren durch Dienstleistungen, sondern durch eine Verdrängung alter Produkte durch dienstleistungsintensiver hergestellte Produkte.

Und wie sieht es mit der heilen Produktwelt bei unseren Exporten aus? Auch da könnte Sicking von den Statistikexperten in Wiesbaden einiges lernen. Das Verhältnis zwischen in den Exporten enthaltener inländischer Bruttowertschöpfung und importierten Vorleistungen hat sich stark zu Gunsten des Auslandes verschoben. Die Fertigungstiefe in Deutschland nimmt extrem ab! Das ist leicht ablesbar an den Effekten des Exports für die Wachstumsrate in unserem Land. Das konnte man vor vier Jahren erkennen. Durch den Boom der Weltwirtschaft konnten wir unsere Exporte deutlich steigern, dass Inlandswachstum lag aber nur bei mageren 1,2 Prozent. Die positive außenwirtschaftliche Entwicklung bringt keine Initialzündung mehr für die Binnenwirtschaft.

Und wie sieht es mit der Vorliebe für Mähdrescher-Hersteller aus, die Damian Sicking äußerte? Das kann man beim Landmaschinenhersteller John Deere nachvollziehen. Der Landmaschinenhersteller erkannte frühzeitig die Wachstumspotenziale auf dem gesamten Green Market und kaufte mehrere Unternehmen aus dem Garten- und Landschaftssegment. Aus John Deere wurde JDL. Die frühere Mähdrescherfirma verkauft jetzt Rollrasen, Landschaftskonzepte, Beratung, vergibt Kredite für Gartenbauunternehmen und baute eine Fortbildungsakademie auf. Mit der reinen Produktzentrierung konnte JDL keine ausreichenden Gewinnmargen mehr erwirtschaften

Massenfertigung, Herr Sicking, findet immer mehr im Ausland statt. Das wird sich nicht mehr ändern. Wir müssen uns auf die Forschung und Entwicklung konzentrieren, auf die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft, auf die Veredelung von Produkten, auf die Verbesserung der Produktvermarktung und auf smarte Servicekonzepte. Wir müssen massiv den ökonomischen Wandel von der klassischen industriellen Produktion zu Dienstleistungen und Wissen sowie zur Informations- und Kommunikationstechnik vorantreiben. Wir können nur als Wissens- und Dienstleistungsökonomie überleben. Schauen Sie doch einfach mal ins Jahrbuch des Statischen Bundesamtes, Herr Sicking.

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Fehlende Ingenieure, unreife Schulabgänger, ratlose Politiker

von Udo Nadolski

Dieses Jahr könnte es zum ersten Mal seit 2001 wieder mehr freie Lehrstellen als Bewerber geben. Experten begründen dies mit dem Aufschwung in der Wirtschaft und dem daraus resultierenden Lehrstellenaufbau sowie dem Rückgang an geburtenstarken Jahrgängen.
Zudem meldet die Deutsche Industrie- und Handelskammer einen großen Mangel an qualifizierten Schulabgängern: Unternehmen suchen händeringend nach Nachwuchskräften.
Gerade in den Dienstleistungsbereichen fehlt es nicht nur an Kenntnissen bei der schulischen Ausbildung und Allgemeinwissen, sondern auch an „Disziplin, Eloquenz, Pünktlichkeit, Höflichkeit und Zuverlässigkeit“, wie Willy Weiland, General Manager des InterContinental Hotel Berlin, berichtet. Sogar grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Rechnen und Schreiben hätten im Vergleich zu früheren Jahrgängen deutlich nachgelassen, so die DIHK. Hinzu kommen mangelnde räumliche Mobilität und zeitliche Flexibilität sowie deutliche Defizite bei den angemessenen Umgangsformen.

Noch einmal verdeutlicht werden diese Tatsachen bei einer von der DIHK gestarteten Befragung von rund 12.000 Unternehmen in ganz Deutschland. Diese gaben an, dass 19% der Jugendlichen gar nicht erst am Arbeitsplatz erschienen seien, 14% kündigten noch während der Probezeit. Oft stellen sie sich unter ihrem Berufsalltag etwas anderes vor, als es tatsächlich der Realität entspricht.
Ein weiteres Problem ist, dass ca. 78.000 Schüler jährlich ohne Schulabschluss abgehen. Schwierige Familienverhältnisse, überforderte Lehrer und fehlende Perspektiven, auch mit einem Hauptschulabschluss, sind nicht gerade ein Motivationsfaktor.
Dazu kommt, dass die Schulabgänger oft Schwierigkeiten haben, Verantwortung zu übernehmen und gewissenhaft ständig zu lernen. Unternehmer nennen dies eine „fehlende Ausbildungsreife“. Die Absolventen haben somit eine viel geringere Chance, einen Ausbildungsberuf ausüben zu können.

Um diesem Problem Einhalt zu gebieten, haben Politiker und Unternehmer verschiedene Lösungsansätze erarbeitet: „Holt den Nachwuchs aus anderen EU-Ländern!“, „Prämien für Eltern, damit Deutschland mehr Kinder bekommt!“, „In zwölf Jahren statt dreizehn zum Abitur!“.
Dabei hat die Schulausbildung oberste Priorität. Schließlich sollten die Talente der Ingenieure, Dienstleister und Handwerker von morgen schon früh erkannt und gefördert werden.
Höflichkeit und zuvorkommendes Benehmen dürfen kein Ausnahmefall in der Erziehung bleiben, sondern müssen wieder ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft werden.

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Wie arm sind wir wirklich?

Von Udo Nadolski

Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache: Das Armutsrisiko hat sich in den vergangenen zehn Jahren trotz wachsender sozialer Unterschiede praktisch halbiert. Noch stärker verringerte sich das Armutsrisiko für Kinder. Trotzdem ist die überwältigende Mehrheit der Deutschen überzeugt, dass Armut bei uns nicht nur ein großes Problem ist, sondern auch immer mehr zunimmt. „In unserer Wohlstandsgesellschaft wandelt sich das Verständnis von Armut. Damit steigt auch die Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg“, sagt Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Im europäischen Vergleich gehöre Deutschland heute nach Dänemark und Schweden zu den Ländern mit dem geringsten Armutsrisiko.

Ich will mich gar nicht auf das Feld der Statistik und Demoskopie begeben. Wie arm oder wie reich Deutschland ist, darüber streiten die Gelehrten. Es ist jedoch unzweifelhaft, dass bei manchen Kindern in diesem Land das Geld für eine warme Mahlzeit in Kita oder Schule fehlt. Dies ist ein Skandal. Wer ist dafür verantwortlich? Die Wochenzeitung Die Zeit, die sicher nicht im Verdacht steht, „neoliberale“ Thesen zu vertreten, hat dem Thema kürzlich allein drei Seiten in ihrem Wirtschaftsteil gewidmet. Die Überschrift ist provokativ: „Der asoziale Sozialstaat“.

Unser Staat gibt jedes Jahr 700 Milliarden Euro für Soziales aus. Ab dem Juli 2008 stiegt der Beitrag zur Pflegeversicherung. Damit klettern die Lohnnebenkosten wieder über die Grenze von 40 Prozent des Gehalts. Eigentlich hatte sich die Große Koalition dazu verpflichtet, dass diese Schwelle nicht überschritten werden darf. Sicher gibt es kein Patentrezept, wie Armut bekämpft werden kann. Dass der Staat jedenfalls momentan auf ganzer Linie versagt, daran besteht nach Ansicht des Sozialforschers Stephan Lessenich kein Zweifel: „Der deutsche Sozialstaat ist viel zu teuer für das, was er leistet. Er wird ungerecht finanziert. Und er versagt beim Schutz vor großen Lebensrisiken, bei der Armutsbekämpfung, der Absicherung der Langlebigkeit, bei der Gesundheitsvorsorge.“

Die Zeit weist darauf hin, dass Deutschland im internationalen Vergleich zwar bei den Sozialausgaben führt, bei den Bildungsausgaben jedoch nur im hinteren Drittel der Industrieländer rangiert. Ein Land, das vor allem auf den Grips seiner Bevölkerung angewiesen hat und über keine anderen nennenswerten Rohstoffe verfügt, kann sich ein solches Missverhältnis nicht mehr länger leisten. Wir müssen mehr in das Humankapital investieren und nicht mit fragwürdigen Einzelleistungen immer nur Löcher stopfen.

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Elitäre Abstimmung mit den Füßen – Die modernen Auswanderer sind nicht mehr arm

Von Udo Nadolski

Das russische Team war die große Ausnahme bei der jetzt zu Ende gegangenen Fußball-EM in Österreich und der Schweiz. Nur ein russischer Kicker verdient sein Geld im Ausland. Alle anderen spielen für heimische Vereine, weil diese mittlerweile finanziell oft sehr gut ausgestattet sind. Ansonsten ist es üblich, dass Top-Profis heute in England, morgen in Spanien und übermorgen in Italien spielen. Dass zurzeit nicht so viele deutsche Spieler den Sprung in andere Ligen schaffen, das liegt auch darin begründet, dass uns die Ausnahmetalente fehlen. Die Bundesliga zieht eben eher das gute oder gehobene Mittelmaß an.

In der Wirtschaft sieht es etwas anders aus. Immer mehr Fach- und Führungskräfte wollen in die USA, die Schweiz oder nach Großbritannien. Eine aktuelle Umfrage belegt, dass die Elite ins Ausland geht, weil sie dort mehr verdienen kann. Bei uns findet sie hingegen hohe Steuern, niedrige Gehälter und schlechte Karrierechancen. Unser Land droht auszubluten, wenn die besten Kräfte die Heimat verlassen. Denn es gehen ja nicht nur Menschen, sondern wir verlieren durch diese Wanderungsbewegungen auch eine Menge Know-how. Die modernen Auswanderer sind in Deutschland zur Schule gegangen und haben hier studiert. Ihr Geld verdienen sie dann aber im Ausland, zahlen dort Steuern und bringen die dortige Wirtschaft voran.

Aus diesen Fakten können wir nur eine Lehre ziehen. Wir müssen entschieden mehr dafür tun, damit unsere Elite im Lande bleibt oder zumindest nach mehreren Auslandsjahren wieder zurückkommt. Geld ist nicht alles, aber gerade im akademischen Bereich können Spitzenkräfte in den USA oder Großbritannien oft deutlich mehr verdienen. Außerdem bieten die angelsächsischen Hochschulen in der Regel viel bessere Karriereaussichten als die deutschen. Und wir müssen noch einen zweiten Schritt unternehmen. Wir sollten qualifizierte Zuwanderer mit offenen Armen empfangen – und zwar mit ihren Familien und für „immer“, nicht nur für eine „Gastarbeit“. Bei der EM haben die deutschen Fans gezeigt, dass sie zusammen mit anderen Nationen friedlich und fröhlich feiern können. Auch unser Wirtschaftsleben kann nur profitieren, wenn wir „multikultureller“ werden. Und davon profitiert dann das ganze Land.

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Regierung sieht Klimaschutz als Konjunkturprogramm – Und verunsichert mit einer unklaren Umweltpolitik die Verbraucher

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Deutschland braucht mehr Vielfalt

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Geld regiert doch nicht die Welt – Warum der Homo oeconomicus nur ein „Verhaltenskrüppel“ der Wirtschaftswissenschaften ist

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