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Die Digitale Transformation - Triebkräfte und Konsequenzen

Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Jede Branche ist davon betroffen. Bernd Stahl spricht mit Stephan Grabmeier, dem Gründer und Geschäftsführer der Innovation Evangelists GmbH über die treibenden Kräfte hinter dieser Entwicklung und die Konsequenzen, die sich daraus für Führungskräfte und IT-Spezialisten ergeben.


BS: Herr Grabmeier, wir befinden inmitten einer umfassenden digitalen Transformation. Was genau hat man darunter zu verstehen?

SG: die digitale Transformation ist aus meiner Erfahrung heraus nicht nur die Technologie, obwohl diese natürlich eine große Rolle spielt. Ich sehe vier Bereiche: neben der Technologie sind es der Druck durch die ökonomischen Veränderungen, einhergehend mit einem sozialen und kulturellen Wandel.

BS: Welche Branchen sind momentan besonders betroffen?

SG: Ich weiß gar nicht, ob es eine Branche gibt, die nicht davon betroffen ist. Jede Branche ist in unterschiedlichen Reifegraden davon betroffen. Die Branchen, die eine hohe Wissensintensität haben sind sicherlich stärker betroffen: allen voran die Verlage und die ICT, aber auch das produzierende Gewerbe im Kontext von Industrie 4.0, das Gesundheitswesen und die Energiewirtschaft.

BS: Wer oder was treibt das Ganze?

SG: Letztendlich sind es wir alle, die User. Im Jahr 2006 zum Beispiel hat uns die Time bereits als Person des Jahres gekürt, weil wir die Kontrolleure des Informationszeitalters sind. Das betrifft unser Einkaufsverhalten und unsere Beurteilung von Produkten und Dienstleistungen der Unternehmen. Unternehmen, die es gewohnt sind, in hoher Geschwindigkeit Geschäftsmodelle zu entwickeln und mit entsprechenden Dienstleistungen zu hinterlegen, sind die wahren Gewinner. Das sieht man an Google, Facebook & Co., die mit einer enormen Geschwindigkeit skalierbare Modelle aufstellen. Dazu dient auf der einen Seite natürlich die Technologie, auf der anderen Seite decken sie sehr zielgerichtet die Bedürfnisse der User ab. Somit reguliert sich Angebot und Nachfrage.

BS: Was bedeutet das für Führungskräfte?

SG: Führungskräfte haben momentan eine sehr herausfordernde Rolle. Letztendlich gilt es die Frage zu klären, wie gehen wir als Unternehmen mit diesem digitalen Wandel um? Das heißt, wie gestalten wir unser zukünftiges Geschäft, und wie übersetzen wir die Herausforderungen einer digitalen Transformation, die wir in den Märkten haben, nach innen? Was bedeutet das? Aus der Systemtheorie heraus wissen wir, dass wir in einer Systemumgebung nicht völlig autark agieren können, sondern wir brauchen innen in unseren Unternehmen die gleiche Logik, wie wir sie außen in unseren Märkten vorfinden. Das heißt, wenn wir in einer digitalen und vernetzen Welt leben, dann müssen wir unsere Unternehmen genauso digital und vernetzt bauen. Das ist eine der Kernaufgaben.

BS: Was bedeutet das für IT-Spezialisten?

SG: die IT ist hier natürlich in einer ganz besonderen Rolle. Ich bin der Meinung, dass sie sich von einer Support- und Enabler-Rolle in eine aktive Treiberrolle verändern wird: also in eine viel stärkere Geschäfts- und Gestaltungsrelevanz hinein. Hier sehe ich, dass ein großes Umdenken in Richtung Business notwendig ist. In der Folge werden sich auch Verhalten und Skills in den IT-Berufen wandeln.

BS: Herr Grabmeier, herzlichen Dank für das Interview.

 

Stephan Grabmeier hält die Keynote „Alles wird digital - Dynamik einer radikalen Transformation" beim Leadership Business Breakfast von Harvey Nash am Freitag den 28. November 2014, 08:00 bis ca. 11:45 Uhr, Hotel Bayerischer Hof, Promenadenplatz 2-6, D-80333 München.